Nottfelder Haus mit Süderbraruper Vorgeschichte

Das folgende Bild zeigt die ehemalige Gastwirtschaft „Zum weißen Schwan“ im Nottfelder Ortsteil Niefeld.

nottfeld Wie ich bei meinem heutigen Besuch im Gemeindearchiv festgestellt habe, hat dieses Gebäude früher einmal in Süderbrarup gestanden und wurde nach dem Abriss hier in Nottfeld wieder aufgebaut.

Bevor ich verrate, wo dieses Haus mal in Süderbrarup stand und welche Rolle es hier spielte, frage ich einfach mal in die Runde, ob jemand eine Idee hat, welche Süderbraruper Vorgeschichte dieses Gebäude hat.

In den Süderbraruper Chroniken habe ich übrigens nichts darüber gefunden.


Karl Pusch weiß auch hier Bescheid:

Moin,
an den Krug “ Zum Weißen Schwan “ kann ich mich gut erinnern. Könnte auch die Stammgäste aufzählen. Aber es geht hier um das Gebäude. Der Krug wurde 1839 eröffnet. Er wurde in dem von Süderbrarup hierher versetzten alten Schulhaus errichtet. Seit 1975 ist der Krug geschlossen und das Gebäude wird als Wohnhaus genutzt. Es hat eine beschnitzte Haustür.
Mit freundlichen Grüßen
Karl Pusch

Das ist richtig. Nach den Aufzeichnungen im Gemeindearchiv stand dieses Haus früher in der Teichstraße gegenüber der Kirche neben der heute noch existierenden Schusterkate. Dort beherbergte es die Süderbraruper Volksschule. Über das genaue Datum, wann die Schule dort errichtet wurde, schweigt sich die Süderbraruper Chronik aus. Man kann dort folgendes lesen:

Unter (dem Lehrer 1795-1827) Marius Fetting wird endlich auch das neue Schulhaus (gemeint ist dieses Gebäude) zustande gekommen sein, allerdings berichtet der Generalsuperintendent Struensee noch 1795, dass die Schulstube für 70 Kinder zu eng und zu schmal sei. Aber 1814 heißt es im Regulativ über unsere Küster schule, dass Wohnung im Schulhaus vorhanden ist.

Obwohl das Schulgebäude wohl erst zwischen 1795 und 1814 entstanden ist, war es anscheinend 1839 schon wieder zu klein und vor allem baufällig:

Nachdem die Schülerzahl fortlaufend zunahm, waren die Schulzimmer des ohnehin sehr baufällig gewordenen Schulhauses zu klein geworden. Es wurde deshalb der Neubau eines Schulhauses im Jahre 1839 erforderlich, das mit Backhaus und Nebengebäude im Winkel zwischen Kappelner Straße und Teichstraße errichtet wurde.

ecke Das damit überflüssig gewordene alte Schulhaus wurde abgerissen und in Nottfeld als Gasthaus wieder aufgebaut. Ein Foto gibt es aus der Süderbraruper Zeit dieses Gebäudes verständlicherweise nicht.

Wie schon oben gesagt wurde die „neue“ Schule 1839 im Winkel Kappelner Straße / Teichstraße errichtet. An anderer Stelle ist zu lesen, dass das Baustofflager des Baugeschäfts August (später Hugo) Schmidt in der Teichstraße durch Aufstockung des alten Schulgebäudes entstanden ist. Um die Lage dieses Schulhauses zu verdeutlichen, hier mal eine Übersicht der Ecke Teich-/Kappelner Straße mit dem Baustofflager.

Das folgende Bild aus dem Gemeindearchiv zeigt diese „neue“ Schule von der Teichstraße aus. Die Auffahrt zum ehemaligen Grundstück von Alfred Schmidt bis hin zum heutigen Pastoratsweg war anscheinend Schulhof.

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Beim nächsten Bild (ebenfalls aus dem Gemeindearchiv), das die Schule von der Kappelner Straße aus zeigt, muss man folgendes bedenken.

Die Häuser Kappelner Straße 2 – 8 (Schmidt – Matz) wurden erst 1905 oder später gebaut. Das Haus Nr. 11 (Ebsen), das auf dem Bild schon zu sehen ist, wurde 1900 gebaut. Zusammen mit der Errichtung des Hauses Nr. 4 stockte Baumeister August Schmidt 1905 „die alte Scheune (Front zur Teichstraße) auf, es war das alte Schulgebäude“.

Das Foto unten müsste demnach zwischen 1900 und 1905 entstanden sein und der Giebel in der Mitte des Bildes könnte zum Schulgebäude gehören, das Fachwerkhaus im Vordergrund könnte das Backhaus sein..

schule_ks

….
Doch schon bald reichte auch dieses „neue“ Schulhaus nicht mehr aus, wie die Chronik berichtet:

1865 waren die Räume des neuen Schulhauses nicht mehr imstande, die Schüler zu fassen. Es wurde daher eine dritte Klasse, die Mittelklasse, errichtet. Wegen Fehlens eines Schulzimmers wurde bis auf weiteres die im Pastoratsbackhaus eingerichtete Konfirmandenstube als Schulzimmer für die Mittelklasse benutzt.

alte_schule Wahrscheinlich schon 1878 wurde das Gebäude an der Kappelner Straße als einklassige Schule mit einer Lehrerwohnung errichtet. 1890 wurde die Schule durch einen Anbau nach Süden – also auf dem Schulhof in Richtung Teichstraße – um weitere Klassen erweitert. An anderer Stelle der Chronik steht:

Der Bau der Kiel-Flensburger Bahn hatte eine bedeutende Zunahme der Einwohnerzahl zur Folge. Wegen Überfüllung der Klassen wurde dann im Jahre 1891 die vierte Klasse eingerichtet. Die Oberklasse wurde nach Geschlechtern getrennt. Hansen übernahm die Obermädchenklasse, die mit der Elementarklasse im alten Schulgebäude untergebracht wurde. Die beiden anderen Klassen sollten im neuen Schulgebäude untergebracht werden, das durch einen Seitenanbau am östlichen Ende nach Süden erweitert werden sollte, unterrichtet werden. Am 1.6.1892 war der Neubau fertig.

Doch die Schülerzahl wuchs immer weiter an. 1898 besuchten schon 312 Kinder die Schule, so dass ein weiterer Schulneubau in Angriff  genommen werden musste. Als Bauplatz für dieses Gebäude wurde die Koppel östlich des kurz vorher errichteten Schulgebäudes erworben. Zwischen den beiden Schulgebäuden wurde der Schulhof angelegt.

Der Neubau beherbergte zunächst vier Klassen und zwei Wohnungen und konnte im Jahre 1905 eingeweiht werden. Auch dieses Gebäude wurde im Laufe der Jahre durch Anbauten erweitert. Die folgende Ansichtskarte zeigt die beiden Schulgebäude so, wie die Älteren unter uns sie wohl noch aus der eigenen Schulzeit in Erinnerung haben.

schulen

Mehr über die Süderbraruper Schulen gibt es hier.

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Ein Kommentar zu Nottfelder Haus mit Süderbraruper Vorgeschichte

  1. Karl Pusch schreibt:

    Moin,
    an den Krug “ Zum Weißen Schwan “ kann ich mich gut erinnern. Könnte auch die Stammgäste aufzählen. Aber es geht hier um das Gebäude. Der Krug wurde 1839 eröffnet. Er wurde in dem von Süderbrarup hierher versetzten alten Schulhaus errichtet. Seit 1975 ist der Krug geschlossen und das Gebäude wird als Wohnhaus genutzt. Es hat eine beschnitzte Haustür.
    Mit freundlichen Grüßen
    Karl Pusch

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