Werbung anno 1928

Im Jahre 1927 fand erstmals nach dem ersten Weltkrieg wieder ein Weihnachtsbazar im Angler Hof zu Süderbrarup statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem von den Süderbraruper Geschäftsleuten eigens zu diesem Zweck gegründeten Bazarverein.

heft Sie fand an vier aufeinanderfolgenden Tage Anfang Dezember statt und bot neben einer Ausstellung auch an den vier Veranstaltungsabenden (und einem Nachmittagstermin für Kinder) ein Variete-Programm.

Schon die erste Veranstaltung 1927 war ein Erfolg, der in den Folgejahren noch überboten werden sollte. Den Weihnachtsbazar gab es – mit einer Unterbrechung zwischen 1938 – 1948 – noch bis in das Jahr 1959.

Ein ausführlicher Artikel über den Weihnachtsbazar von Helmut Marxen findet man im Jahrbuch 1997 des Angler Heimatvereins.

Ein Blick in das Programmheft des zweiten Weihnachtsbazars 1928 (das man wie viele andere Unterlagen über den Weihnachtsbazar im Gemeindearchiv findet) zeigt, dass schon damals von den Süderbraruper Geschäftsleuten recht einfallsreich Werbung betrieben wurde. Dazu hier einige Beispiele:

r1928_02 Hans Nissen, der ein Geschäft in der Großen Straße Nr. 4 betrieb, textet voller Selbstbewusstsein:

Jubel und Freude lösen am Weihnachtsabend die bei mir gekauften Geschenke aus. Meine Ausstellung ist eröffnet. Meine Auswahl ist groß. Kommen Sie zur zwanglosen Besichtigung meines großen Lagers.

r1928_03 Das Textilgeschäft Blöcker & v. d. Osten aus der Bahnhofstraße bot seinen Kunden:

Manufakturwaren, Aussteuer-Artikel, Herren- und Knaben-Garderoben, Damenkonfektion, Schuhwaren und warb mit: Ständig großes Lager. Billigste Tagespreise. 

r1928_04 Auf dem neuesten Stand der Technik zeigte sich die Firma A. Berendsen, Am Markt 3b in ihrem Inserat:

Ausführung von elektrischen Licht- und Kraftanlagen im Anschluß an die Ueberlandzentrale. Spezialität: Bau und Anlage von Radio-Stationen / Lager sämtlicher Radio-Ersatzteile.

r1928_05 Das Lebensmittelgeschäft Heinrich Matz aus der Kappelnerstraße bot seinen Kunden Spezialitäten für das Weihnachstfest:

Heinrich Matz Süderbrarup bietet für den Gabentisch in Marzipan, Konfitüren, Delikatessen und Spirituosen eine reichhaltige Auswahl von nur bestrenommierten Firmen. Präsentkörbe und Geschenkpackungen in verschiedenen Preislagen.

r1928_06 Der Müllereibetrieb J. Fr. Carstensen zeigt sich weltläufig und veröffentlicht neben Telefonnummern und Telegrammanschrift auch gleich noch mehrere Bankverbindungen. Auch das Warenangebot ist groß:

Empfehle mein reichhaltiges Lager in Getreide, Futterstoffen, prima Oelkuchen, Saat-Artikeln, Geflügel-Futter, Weizen- und Roggenmehlen, prima Fischmehlen, sämtlichen künstlichen Düngemitteln  / Kohlen, Koks und Brikett.

r1928_07 Kurz und bündig ist die Anzeige des Tabkwarengeschäfts Gerdsen aus der Schleswiger Straße:

Sie sind auf dem rechten Wege, wenn Sie Ihre Zigarren im Zigarren-Spezialgeschäft Matth. Gerdsen … kaufen.

Um so ausführlicher dafür das Inserat von P. H. Jochimsen, der sein Textilgeschäft im Haus des heutigen Textilhauses Harmening betrieb. Und auch die Ladenöffnungszeiten waren damals wohl nicht so streng reglementiert.

r1928_08 Zum Weihnachtsfest empfehle meine großen Lager in Herren-, Damen- und Kinderkonfektion. Spezialität: Bleyles Strickkleidung. Teppiche, Felle, Gardinen und Vorlagen. Strüpfe, Handschuhe / Hüte, Mützen, Kragen, Schlipse usw.
Meine große Wäscheabteilung in bester Damen- und Herren-Wäsche ist zum Weihnachtsfest ganz besonders reichhaltig sortiert. Bringe alles in den schönsten Karton- und Weihnachtspackungen ohne Aufschlag.
An den Sonntagen 9., 16. und 23.  Dezember ist mein Geschäft bis abends geöffnet.

Einen für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen täglichen Service bot auch der Fotograf Carl Stüwe aus der heutigen Heuländer Straße (damals als am Thorsberg beschrieben) in seinem Inserat:

r1928_10 Fachmännische Lichtbildwerkstätte von Carl Stüwe. Wir empfehlen unserem verehrten großen Kundenkreis in Angeln den Besuch unseres modern eingerichteten Ateliers angelegentlichst. Rechtzeitige Aufgabe von Weihnachtsaufträgen erbeten. Die beste Tageszeit zur Aufnahme ist von 11 bis 3 Uhr.
Unser Arbeitsprinzip ist und bleibt: „Das Beste in der Photographie ist für unsere Kundschaft gerade gut genug.“
Unsere Spezial-Vergrößerungen und Kinderaufnahmen erfreuen sich der Gunst weitester Kreise und sind hochgeschätzt. Täglich auch an Sonn- und Feiertagen ist unser Atelier geöffnet.

r1928_12 An der Anzeige von Alfred Siemsen erstaunt neben dem für heutige Verhältnisse zum Teil ungewöhnlichen Warenangebot auch die Adresse: Bahnhofstraße 11. Heute hat das Haus die Nummer 27; da muss man damals wohl das gesamte Bahngelände als eine Hausnummer gezählt haben:

An Waschbaljen und Spültonnen muss damals ein großer Bedarf gewesen sein, da extra das ständige Lager mit diesen Artikeln betont wird.

Ein Geschäft, an das sich noch Viele erinnern werden und das schon damals inserierte, ist das Textilhaus Lühr & Meyer in der Großen Straße:

r1928_13 Das gute Einkaufs-Haus für Alle. Manufaktur- und Modewaren, Knaben- und Herren-Garderoben, Damen- und Kinderkonfektion, Schuhwaren. 
Spezialität: Aussteuer-Artikel ständig große Lager und stets preiswert.
Im Geschäftshause große Spezial-Dekoration in Teppichen, Gardinen, Vorlagen, Fach-Gardinen, Läufer-Stoffen, Tischdecken usw.
Beachten Sie bitte unsere Schaufenster. Sonntag den 9., 16. und 23. ist unser Geschäft bis abends geöffnet.

r1928_14 Auch die Bäckerei Ebsen in der Kappelner Straße war damals schon mit einem weihnachtlichen Angebot dabei:

Zum Weihnachtsfeste nur das Beste.
Empfehle täglich frischen 1a Marzipan eigener Herstellung.  Tannenbaumbehang in guter Auswahl. 1a Torten sowie Kaffee-, Tee- und Wein-Gebäck. Geschenkartikel, Weihnachtsstollen, Cremespeisen.
Beachten Sie bitte Stand Nr. 1 der Ausstellung.
Mir freundlichst zugedachte Bestellungen werden prompt und gewissenhaft ausgeführt und werden solche rechtzeitig erbeten. 

r1928_15 Der Gärtnereibetrieb Drews aus der Bahnhofstraße (später Blumen-Steinbach) war  auch mit einer Anzeige dabei:

Gebr. Drews Gartenbaubetrieb bietet für die bevorstehenden Adventswochen und das Weihnachts-Fest eine große Auswahl in Advents-Kränzen und blühenden Topf-Pflanzen.
Anfertigung aparter Trauer-Kränze
Kranz-Schleifen stets auf Lager 

Vielfältig war das Angebot des Klempners Heinrich Hennings (Großvater der hier mitschreibenden Heini und Horst Hennings) aus der Schleswiger Straße

r1928_17 H. Hennings, Süderbrarup Klempnerei, Dachdeckerei und Installationsgeschäft
Anlage von Wasserleitungen, Klosetts mit Wasserspülung, Bade-Einrichtungen sowie Bierleitungen
Ausführung sämtlicher Bauklempner- und Dachdecker-Arbeiten.
Spezialität Pappklebedächer Kies-Dächer Eternit-Dächer
Großes Lager in elektrischen Beleuchtungskörpern, Plätt-Eisen,  prima Haushaltssachen usw. usw. 

r1928_19 Rechtsanwalt Schertiger aus der Bismarckstraße wendet sich mit seiner Werbung an Grundstückskäufer (Frauen haben damals wohl noch keine Grundstücke gekauft oder Schertiger legte keinen Wert  auf weibliche Klienten 🙂 )

Der kluge Mann holt sich bei Schertiger Bismarckstr.  6 Auskunft ein bevor er sich ein Grundstück käuft.

r1928_20 Auch das Autohaus Nicolaus Schmidt war damals schon dabei – das Sortiment war damals fast vielfältiger als heute. Außerdem war dies eine der wenigen bebilderten Anzeige.

Nicolaus Schmidt
Automobile     Motorräder
Nähmaschinen   Fahrräder
Staatl. konz. Fahrschule   Reparaturwerkstatt   Auto-Vermietung

r1928_24 An der Anzeige des Elektrikers Carl Prehn ist vor allem die Adresse interessant: Moorstraße. Wie wir aus den Kommentaren inzwischen wissen, hieß die Bachstraße in früheren Jahren so und Herr Prehn hatte seinen Betrieb in der heutigen Bachstraße 13.

Die Bachstraße hatte laut Chronik in früheren Zeiten auch die Namen „Hintere Dorfstraße“ und „Kanonenstraße“.

Auch ein Schneidermeister warb beim Weihnachtsbazar auf Stand Nr. 21 um neue Kunden, wobei aus seiner Adressbeschreibung nicht ganz klar wird, wo genau seine Werkstatt zu finden war:

r1928_26 Nr. 21 Stand der feinen Qualitätsarbeit in Herren- und Damen-Garderoben nach Maß der Neuzeit entsprechend, sowie mein reichhaltiges Lager in Herren- und Damen-Stoffen bietet Ihnen außerordentliche Vorteile.
Karl Feldmann, Schneidermeister
Große Straße, neben „Angler Hof“

r1928_28 Im Haus Große Straße 8 (heute Rieger) firmierte damals der Uhrmacher und Juwelier Thomas Thomsen, der auch „Thomas Klock“ genannt wurde. Auch er hatte eine Anzeige im Programmheft:

Zum bevorstehenden Weihnachtsfeste halte mein schön sortiertes Lager in Uhren, Gold- und Silberwaren sowie echten Blei-Kristallen bestens empfohlen
Führe nur aus der Württembergischen Metallwarenfabrik das beste in schwer  versilb. Bestecken
Hausuhren, prima Werke, mit „Bim-Bam“ von 130 RM an 

r1928_32 Die Anzeige von Gebr. Lorenzen muss man wohl unter dem Motto „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ verstehen. Offensichtlich geht es hier um Nähmaschinen.

r1928_34 Aus der Anzeige des Angler Hofs lernen wir, dass der Begriff Bundes-Kegelbahn nichts mit der Bundesrepublik zu tun hat, da es ihn schon 1928 gab:

Empfehle meine Lokalitäten den Ausflüglern und Bewohnern zur Benutzung für Festlichkeiten aller Art
Die Freunde des Kegelsports erinnere ich an meine neue Bundes-Kegelbahn
Anläßlich des Weihnachtsbazars möchte ich auf die Wein- und Likör-Stuben in den oberen Räumen hinweisen, wo Ausschank von echtem Bier erfolgt.

r1928_33 Zum Abschluss noch die Anzeige von Georg Reimer, Elektriker aus der Schleswiger Straße Nr. 4:

Ausführung von Licht- u. Kraftanlagen jeder Art
Elektrische Reparatur-Anstalt  
Vertrieb und Bau von Radio-Empfangsstationen, Vorführung kostenlos auch im eigenen Heim
Lager von Ersatzteilen für Radio-Anlagen
Verkauf von Protos-Hausgeräten 

Und natürlich gab es zum Weihnachtsbazar 1928 auch ein attraktives Unterhaltungsprogramm mit (damals wahrscheinlich) namhaften Künstlern:

programm
Süderbrarup, , Permalink

4 Kommentar zu Werbung anno 1928

  1. Regina Burgwitz schreibt:

    Hallo Tiko,
    bin gerade am Surfen und stieß auf die Bemerkung „Einen für heutige Verhältnisse ungewöhnlichen täglichen Service bot auch der Fotograf Carl Stüwe aus dem heutigen Heidbergweg (damals als am Thorsberg beschrieben) in seinem Inserat:“
    ich denke, es ist aber die Heuländer Straße gemeint, wo das Haus von Antje und Günter Korsch damals für den Fotografen Carl Stüwe erbaut wurde.

    • admin schreibt:

      Danke für den Hinweis. Ich glaube, den gleichen Fehler hatte ich in einem anderen Artikel auch schon mal gemacht. Ich könnte jetzt ja sagen, das wäre Absicht gewesen, um die Aufmerksamkeit der Leser zu testen. Aber das glaubt mir ja sowieso kein Mensch.

  2. Corinna Wernecke schreibt:

    Hallo!
    Die Bachstraße hieß früher Moorstraße.
    Der Elektriker Carl Prehn hat in der Bachstr. 13 gewohnt.
    Gruß Corinna

  3. Karl Pusch schreibt:

    Moin,
    heute heißt die “ Moorstraße “ Bachstraße.
    Mit freundlichen Grüßen
    Karl Pusch

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