Die Uhrmacher-Dynastie Tüxen


Nachtrag: 

Wer den weiter unten aufgeführten Bericht des NDR-Fernsehens über die Uhrmacher-Familie Tüxen verpasst hat, kann sich den ca. fünfminütigen Film in der NDR Mediathek noch etwa eine Woche lang unter folgendem Link ansehen:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/s-h_magazin/media/shmag20549.html


Eine der wohl ältesten Handwerkerfamilien Deutschlands hat ihren Sitz in unserem Amtsbezirk: die Uhrmacher-Dynastie Tüxen. Zum 300jährigen Jubiläum dieses Handwerksbetriebes ist zur Zeit (noch bis zum 21. April) im Schleswiger Volkskundemuseum eine Ausstellung historischer Standuhren zu sehen. Hier ein Auszug aus der Ankündigung:

Untrennbar mit der Geschichte der Uhrmacherei in dieser Region verbunden ist die bedeutende Uhrmacher-Dynastie Tüxen, die seit 1713 über 300 Jahre und acht Generationen in Angeln nachweisbar ist. An ihrem Beispiel verfolgt die Ausstellung die Entwicklung der regionalen Uhrenproduktion über drei Jahrhunderte. 
Mit der Sonderausstellung „So geht die Zeit zur Ewigkeit“ zeigt das Volkskunde Museum der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf erstmals seit fast vierzig Jahren wieder eine kleine, aber repräsentative Auswahl von über achtzig historischen Uhren, die zum großen Teil in Angeln und Nordschleswig hergestellt worden sind.

Näheres zu der Ausstellung findet man auf dieser Seite des Volkskundemuseums.

Auch das NDR-Fernsehen berichtet heute im Rahmen des SH-Magazinsum 19.30 Uhr über die Uhrmacher-Familie Tüxen. In der Ankündigung zum Beitrag „Zeitreise: Uhrmacher Tüxen“ kann man lesen:

Sie sind die vermutlich älteste Handwerkerfamilie Deutschlands: Seit nachweislich 300 Jahren geben die Tüxens die Kunst der Uhrmacherei an die jeweils folgende Generation weiter. Helmut und Willi Tüxen betreiben dieses Geschäft bereits in der achten Generation. Allerdings bauen sie keine Uhren mehr. Das könnte heute niemand bezahlen. Aber sie restaurieren und pflegen die guten alten Stücke, vor allem die Standuhren aus Angeln, die sich früher nur die wohlhabenden Bauern leisten konnten.

Ein Bericht von Ursel Köhler über die Uhrmacherdynastie Tüxen ist auch im Jahrbuch des Angler Heimatvereins von 1980 zu finden.

Zur Abrundung des Themas hier noch ein Artikel, der im Jahre 1951 in der Lokalpresse über die alte Uhrmacherkunst zu lesen war:

1790 gebaut – und sie geht noch!

In alten Angelner Bauernhäusern findet man noch ab und zu auf der Diele große Standuhren, die etwas ungefügig wirken, und denen man ihr ehrwürdiges Alter schon von außen ansieht: Es sind in reiner Handarbeit hergestellte Angelnder Dielenuhren.

Der älteste Handwerksbetrieb, der die Uhren herstellte, befindet sich in Kius. Der 1759 in Schrixdorfstraße bei Böel geborene Hans Tüxen baute um das Jahr 1790 die erste Uhr dieser Art. Sie steht noch heute im Hause seiner Nachkommen und – geht noch. Das gesamte Werk hat der Meister in Handarbeit aus Messing hergestellt, das Getriebe ist aus Stahl. Das Ziffernblatt mit den Verzierungen wurde aus Blei gegossen und bronciert, die Zahlen in Bleimasse eingelegt. Auch eine zweite Dielenuhr, die außer der Zeit Datum und Mondstand anzeigt, und die der Sohn des Altmeisters, Claus Tüxen, der nach Kius einheiratete, baute, steht in der heutigen Werkstatt.

Seit der Übersiedlung nach Kius befindet sich das Geschäft, das der Urgroßvater des jüngsten Meisters der Familie Hans Heinrich Tüxen einrichtete,  im gleichen Hause. Der jetzige Besitzer Julius Tüxen arbeitet mit seinem Sohn zusammen und sie sind es, die gerufen werden, wenn an einer Uhr, die der Urahne schuf, etwas nicht in Ordnung ist. Etwa 20 dieser alten Uhren sind in der Umgebung noch in Betrieb. „So geht die Zeit zur Ewigkeit“ steht als Inschrift auf der Dielenuhr, die der Meister Hans Jürgen Tüxen baute, und wenn man sein Werk anschaut, scheint es für die Ewigkeit gebaut.

Seit Ende des Jahres 1800 wurden die Angler Dielenuhren nicht mehr gebaut, doch gerade um diese Zeit entstand ebenfalls in Angeln unter den geschickten Händen des 1855 geborenen Uhrmachermeisters Heinrich Agger ein Kunstwerk, wie es seinesgleichen kaum findet. Meister Agger wohnte bis zu seinem Tode 1938 in Brodersby. Er war ein sehr erfindungsreicher und schöpferischer Mann. Nach der Geschäftszeit, also hauptsächlich in den Abendstunden, baute er in den Jahren von 1900 bis 1914 eine Standuhr nach Art der Angler Dielenuhren. Diese Uhr zeigt außer den Sekunden, Minuten und Stunden den Sonnenauf- und -untergang, die Mondphasen, die Wochentage und das Datum an. Das erstaunlichste an diesem Werk ist, daß es trotz der dazwischenliegenden Schaltjahre ohne besondere Einstellung das genaue Datum angibt. Im Schaltjahr überschlägt ein sinnreicher Mechanismus nachts den 29., 30. und 31. Februar. Um 3 Uhr morgens zeigt die Uhr den 1. März an. Die Mondphasen werden durch eine halbseitig dunkelschraffierte drehbare Kugel angezeigt, und 13 Glocken spielen jede halbe und volle Stunde einen Choral. „Ich bete an die Macht der Liebe“, „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ und „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“ sind im Repertoire des Glockenspiels enthalten. Mit den gleichen Schikanen, jedoch ohne Glockenspiel, baute Meister Agger auch einen Taschenchronometer.

Das Material für die große Spieluhr wurde von ihrem Erbauer selbst hergestellt. In einer Form aus einer ganz besonderen Art von Schleisand stellte er in einem alten Backofen mittels Koksfeuer den erforderlichen Messingguß her. Mit selbstgebauten Werkzeugen, wie einer Räderschneidemaschine und einer Walzmaschine, mit denen die verschiedensten Arten von Zähnen in die Räder geschnitten werden, stellte er jeden einzelnen Teil selbst her.

Die deutsche Uhrmacher-Zeitung schrieb zu seinem 50jährigen Jubiläum: „Der Jubilar erfreut sich Dank seines aufrechten Charakters, der Lauterkeit seiner Gesinnung und seines schlichten Wesens allgemeiner Beliebtheit, und diese Eigenschaften sind es, die ihn beschäftigen, solch ein Werk, wie es die Spieluhr ist, zu schaffen.“

 

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10 Kommentar zu Die Uhrmacher-Dynastie Tüxen

  1. Fred Langner-Lind schreibt:

    Heute war ich in der Ausstellung in Schleswig und jetzt stöbere ich etwas im Internet und suche eigentlich etwas über die Technik der dort gezeigten Janus Uhren. Nun finde ich hier etwas über Carsten Marsch. Ich habe Carsten in Lübeck bei einem Antiquitätenhändler kennengelernt, er sah damals aus wie 14 Jahre alt und schaute in eine Uhr und murmelte etwas von „schönen geschraubten Chatons“,
    Carsten sah nur so jung aus, er war damals schon in der Lehre als Urmacher. Carsten hat dann einige meiner Uhren schon danals als Lehrling meisterhafr repariert. Wir sind damals auch gemeinsam Rennrad gefahren. Dann habe ich Carsten noch in Berlin besucht und irgendwann verlor sich der Kontakt. Ich habe zwar schon herausgefunden das Carsten in S.F. einen Uhrenladen namens „Zeitgeist“ betreibt, allerdings habe ich nie eine email Adresse gefunden.
    @Admin: Sind sie bitte auch so freundlich und leiten meinen Beitrag an Vater Marsch weiter.

  2. Lisa u.Fritz Marsch Lübeck schreibt:

    Ich mußte doch schmunzel u.meine Hochachtung vor dem alten Handwerk der Uhr-Macher.Herr Tüxen hatte viele Jahre einen Urmachergesellen,namens Beta,der auch
    später seine Meisterprüfung ablegte.Herr Beta ist ein so guter Uhrmacher,er zog später
    nach Lübeck u.arbeitete bei der Firma Uhren Peschlow in der Werkstatt.Unser Sohn
    Carsten wollte unbedingt Uhrmacher werden u.so kam er bei Peschlow in die Lehre,wer
    wurde sein Ausbilder,Herr Beta
    ,welcher ihm viel aus seiner Zeit in Kius von der Firma
    Tüxen erzählte u.unserem Sohn alte Handwerkskunst beibrachte.Carsten machte später
    seinen Meister,wurde Schiffskronometer-Meister u.spezell Alte „Lange+Söhne Uhren
    sind seine große Herausforderungen.Er war über zwanzig Jahre in San Franzisco
    Califorien,selbtständig in der Heyes Street,mit großem Erfolg.Gutes altes Handwerk
    aus Old Germany,speciell von der Firma Tüxen in Angeln weitergegeben.
    Viele Grüße aus Lübeck Fritz Marsch

    • Dietmar Nisch schreibt:

      Meinen Glückwunsch, liebe Familie Marsch und ich bin auch stolz für Ihren Sohn, dass er so erfolgreich geworden ist; denn auch ich kenne mich mit solchen „Calibern“ wie Lange & Söhne aus! Steht in einem Lübecker Uhrmacher-Schaufenster noch das ewige „Rundpendel“? Freundlichst, Dietmar Nisch.

    • Manfred Lux schreibt:

      Liebe Familie Marsch, ich bin ehemaliger Lehrer von Ihrem Sohn Carsten.
      Letztes Jahr hatte ich einen Brief an Carsten geschrieben. Leider kam der Brief wieder zurück. Könnten Sie mir seine Adresse oder seine Emailadresse zukommen lassen. Mit freundlichen Grüßen Manfred Lux

  3. Manfred Lux schreibt:

    Schön wäre es, wenn die Besitzer von Uhren aus Angeln sich der Werte ihrer Uhren bewusst werden und sie entsprechend schätzen. Leider ist schon zu viel von dem alten Kulturgut Uhren verloren gegangen. Ein Lob auf die „alten Meister“!

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