In der Lokalpresse vor 60 Jahren – Stromversorgung in Süderbrarup

Im Januar 1953 konnte man in der Lokalpresse lesen, dass die Stromversorgungs-AG Rendsburg (auch als Schleswag bekannt) die durch den Zuzug vieler Flüchtlinge unzureichend gewordene Stromversorgung Süderbrarups verbessern wolle. Dazu sollte eine sogenannte Ringleitung gelegt und die Stromzuführung von Schleswig und Kappeln nach Süderbrarup ermöglicht werden.

Aus diesem Anlass wird in dem Zeitungsartikel ein Blick zurück auf die Entwicklung der Süderbraruper Stromversorgung geworfen, der auch einige heutzutage nicht mehr bekannte Tatsachen schildert:

Auf private Initiative Peter Henningsens entstand vor 55 Jahren in Süderbrarup eines der ersten Elektrizitätswerke Schleswig-Holsteins

strom_01 In der letzten Gemeinderatssitzung wurde u.a. auch ein weiterer Ausbau der Straßenbeleuchtung unseres Ortes beschlossen. Das ist die vorläufig letzte Etappe einer Entwicklung, die dank des Pioniergeistes und der Privatinitiative eines Süderbraruper Einwohners vor 55 Jahren begann. Im Herbst 1897 gab der Baugewerksmeister Peter Henningsen (Bahnhofstraße) der AEG den Auftrag, ihm einen Gleichstromgenerator und eine Akkumulatoren-Anlage zu liefern.

Henningsen betrieb zu dieser Zeit eine Sägerei und stellte außerdem die Holzkübel für eine Flensburger Margarinefabrik her.  Zum Antrieb der Gattersägen usw. hatte er eine Dampfmaschine von etwa 30 PS aufgestellt, die er als praktischer Mann vorwiegend mit den Holzabfällen seines Betriebes heizte. Auf einer Reise nach Lübeck sah er zum ersten Mal elektrische Lampen und überzeugte sich von den großen Vorzügen dieser Beleuchtungsart. Nähere Erkundigungen ergaben, daß seine Dampfmaschine imstande war, auch noch einen Stromerzeuger anzutreiben. strom_02 Nach Süderbrarup zurückgekehrt, fand er bald so viele Interessenten für die Elektrifizierung, daß er bei der AEG eine Anlage bestellen konnte. Am Abend des 30. Januar 1898, seinem Geburtstage, wurden erstmalig zwei Bogenlampen in der Bahnhofsstraße in Betrieb gesetzt. Damit war Süderbrarup eine der ersten Gemeinden Schleswig-Holsteins, die eine elektrische Straßenbeleuchtung eingerichtet haben. Kurz darauf verlegte man die Leitungen zu den übrigen Abnehmern, deren Kreis sich ständig erweiterte und sich schließlich bis nach Brebel und Norderbrarup erstreckte.

strom_03 Diese hoffnungsvolle Entwicklung wurde 1901 jäh unterbrochen, als ein Brand das Sägewerk in Schutt u. Asche legte. Um den laufend steigenden Anforderungen gewachsen zu sein, stellte Henningsen jetzt eine Dampfmaschine mit 100 PS Leistung auf und ließ auch die übrige Anlage (Generator und Akkumulatorenbatterie) entsprechend erweitern. Das genügte wohl für einige Jahre, konnte aber den immer weiter anwachsenden Bedarf nicht mehr decken. Zu dieser Zeit begannen die Ueberlandzentralen ihr Leitungsnetz über Schleswig-Holstein zu ziehen. Eine in Süderbrarup gebildete „Lichtkommission“, zu deren leitenden Persönlichkeiten auch der verstorbene Postmeister Adolf Petersen gehörte, setzte sich mit der Stromversorgungs-AG in Verbindung, die daraufhin im  Jahre 1924 durch die AEG ein vollständig neues Ortsnetz aufbauen ließ und die Stromversorgung Süderbrarups übernahm. Späterhin trat dann die Lichtkommission ihre Rechte an die Gemeinde ab. Um die vor allem durch das oft stürmische Wetter auftretenden Störungen zu beseitigen. mußte eine Fachkraft in Süderbrarup stationiert werden. Hierzu wurde der mit dem Aufbau des Ortsnetzes beauftragte Obermonteur der AEG, Carl Kruse, ausersehen, der später auch noch das Ablesen der Zähler und das Inkasso der Stromrechnungen übernahm.

Dietmar Nisch:

Waren es nicht vor 115 Jahren? Vor 55 Jahren bekamen meine Eltern die Strom-Rechnungen von der Schleswag. Gruß DN.

Die Jahreszahl 1953 ist schon richtig. Die oben genannte Stromversorgungs-AG war die Schleswig-Holsteinische Stromversorgungs AG (auch als Schleswag bekannt).  Ich habe das oben mal entsprechend geändert.

Die 55 Jahre hingegen stehen so im Zeitungsartikel, der vor 60 Jahren veröffentlicht wurde – macht in Summe 115 Jahre. Ich dachte, das wäre durch die andere Schriftart und Farbe klar. 🙂

Süderbrarup, , Permalink

2 Kommentar zu In der Lokalpresse vor 60 Jahren – Stromversorgung in Süderbrarup

  1. Dietmar Nisch schreibt:

    Einverstanden, Eurer Ehren, denn 55 Jahre plus 60 Jahre sind exakt 115 Jahre; denn diese Ehre gebe ich gerne weiter, nachdem ich vor paar Jahren die Ehre hatte, keinen Geringeren als Herrn Helmut Marxen besuchen zu dürfen, bzw. er mich mit seiner guten Frau in Ehren empfangen hatte. Erst Herr Marxen hat mir erzählt, dass es in Süder ein E-Werk gab.

  2. Dietmar Nisch schreibt:

    Waren es nicht vor 115 Jahren? Vor 55 Jahren bekamen meine Eltern die Strom-Rechnungen von der Schleswag. Gruß DN.

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