In der Lokalpresse vor 60 Jahren – Brarup-Markt 1952

Ausführlich berichtete die Lokalpresse in mehreren Ausgaben über den Brarup-Markt im Jahr 1952. Damals fing der Jahrmarkt noch am Sonntagnachmittag an und ging bis einschließlich Mittwoch.Erst ab 1954 kam der Samstag (ab 15 Uhr) als Markttag hinzu, dafür wurde der Mittwoch gestrichen. Im Jahre 1965 schließlich wurde die auch noch heute gültige Terminierung des Marktes von Freitagnachmittag bis Dienstag eingeführt.

Der Brarup-Markt 1952 war  wahrscheinlich auch der erste, den ich (dreijährig an der Hand meiner Eltern) besucht habe. Erinnern kann ich mich daran zwar nicht mehr, wohl aber an einige der Fahrgeschäfte, die hier erwähnt sind und auch in den folgenden Jahren noch auf dem Markt zu finden waren. So z.B. die Schiffschaukel der Firma Henze aus Gettorf, vor allem deshalb, weil neben der Schaukel ein klenier Mann (Herr Henze) an einem Schlagzeug saß. Auf einem Schild in der Nähe stand „Kalli macht bumm bumm“. Auch die weiter unten aufgeführte Überschlagschaukel ist mir noch in Erinnerung. Wir nannten sie damals „Affenkäfig“, weil sie aus einer Art Drahtkäfig an Stahlarmen mit Gegengewichten bestand. In den „Käfigen“ versuchten ein oder zwei Marktbesucher,  die Schaukel durch geeignete Gewichtsverlagerung ins Schwingen zu bringen und irgendwann über den oberen Totpunkt zu bewegen.

Mehr zu meinen Erinnerungen an den Brarup-Markt zu meiner Kinderzeit gabe ich in dem Artikel „Brarup-Markt – wie es früher einmal war“ aufgeschrieben.
Die Fotos zu diesem Artikel stammen übrigens nicht aus dem Jahr 1952, sondern von späteren Jahrmärkten.

14.06.1952:
Brarupmarkt wieder ganz groß 

Der alte, ewig junge Brarupmarkt wird auch in diesem Jahr seine Anziehungskraft wieder unter Beweis stellen. Marktmeister Müller muß sich schon gehörig den Kopf zerbrechen, um den Anforderungen der angemeldeten Aus- und Schausteller, Budenbesitzer usw. gerecht werden zu können. Trotz der Größe des Marktplatzes reicht der Raum bei weitem nicht aus, so daß auch in diesem Jahr die Koppel gegenüber der Volksschule zusätzlich in Anspruch genommen werden muß, um jedem Schau- und Aussteller einen „Platz an der Sonne“ zuzuweisen.

bmvii_02 Was präsentiert der diesjährige Brarupmarkt den Besuchern? Selbstverständlich wird die beliebte Avus-Bahn der Firma Schippers und van der Ville nicht fehlen, die außerdem mit dem „Octopus“ (genannt Spinne) aufwartet. Besondere Neuheiten bieten die Firmen Klugmann mit dem „Looping the Loop“ (einer Ueberschlagschaukel) und Petersen (Preetz) mit einer „Auto-Berg- und Talbahn“. Die „Großglockner-Bahn“ und die „Todeswand“ von Löffelhardt sowie die „Regattabahn“ von Baade, die in diesem Jahr ihr 30jähriges Geschäftsjubiläum und gleichzeitig die 30. Beschickung des Brarup-Marktes feiern kann, sind allen Angelitern schon längst wohlbekannt. Natürlich werden auch Johannsens „Kettenflieger“, Wieses „Kinderkarussel“, ein weiteres für die Kleinsten von der Kieler Firma Horn und ebenso die Luftschaukel der Firma Henze (Gettorf) wieder zur Stelle sein. Eine besondere Attraktion bringt der ehemalige Steilwandfahrer Karl Schwerin aus Quickborn mit seinen Motorrollern, während man von Pönickes alles überragender „Russischer Schaukel“ einen prächtigen Überblick über das bunte Markttreiben haben wird.

Zu einem zünftigen Jahrmarkt gehören selbstverständlich auch Schaubuden, die in den letzten Jahren leider nur spärlich oder überhaupt nicht vertreten waren, obwohl mehrere solcher Unternehmen ihr Erscheinen zugesagt hatten. In diesem Jahr haben sich fünf Schaustellerfirmen angemeldet, darunter die „Völker-Texas-Büffelschau“ von Renz (Mainz), in deren 20 x 30 m großen Zelt u.a. Indianer und Neger auftreten sowie Stierkämpfe gezeigt werden, während man bei William Wonnings amerikanische Cowboykünste bewundern kann. Eine besondere Anziehungskraft wird Ortels „Ultra-Leucht-Revue“ ausüben. Doch natürlich (nur), wenn diese Firmen auch Wort halten und wirklich kommen.

Außer den Dutzenden von Zuckerbäckern, Bonbon- und Eisverkäufern werden zehn Schankzelte, darunter auch das beliebte „Zillertal“ für die leiblichen Genüsse sorgen. Hierbei dürfen der „Bar-Wagen“ (früher „Samba-Wagen“) und Widmanns Wurstgeschäft nicht vergessen werden, das in diesem Jahr sein 25jähriges Brarupmarkt-Jubiläum feiern kann. Um der Ueberfülle von Schießbuden zu begegnen, wurden in diesem Jahr nur dreizehn angenommen.

Die Landmaschinenschau wird von fünf großen und einer noch nicht feststehenden Anzahl kleinerer Firmen sehr reichhaltig beschickt werden und den Bauern Gelegenheit geben, sich über den neuesten Stand der Mechanisierung in der Landwirtschaft zu informieren.

 

23.7.1952:
Wenn „Brarup“ das Zepter führt 
Der Aufbau des Braruper Marktes hat in diesen Tagen begonnen

bmvii_06 Noch fünf Tage trennen uns von der Eröffnung des Brarupmarktes. Am kommenden Sonntag ist es endlich so weit und Marktmeister Müller und seine Gehilfen haben in  den letzten Tagen fleißig gearbeitet, um den großen Marktplatz für  die Aufnahme der vielen Fahrgeschäfte, Schausteller,  Trink-, Tanz- und Schankzelte herzurichten. Zu diesen Vorarbeiten gehört auch die Aufstellung der Masten für die elektrischen Leitungen.

Eine Woche vor Beginn des Marktes waren schon etwa 25 Wagen eingetroffen, die inzwischen den Platz bezogen haben, der ihnen vom Marktmeister planmäßig zugeteilt wurde. Jetzt ist man dabei, die ersten Trinkzelte, Verkaufsbuden und Fahrgeschäfte aufzubauen bzw. zu montieren. Damit hat für alt und jung eine Zeit des Schauens und Staunens begonnen. Besonders die Schuljugend ist jetzt ständig auf dem Platz zu finden. Sie will sich keine Phase des Aufbaues entgehen lassen. Die Schulbücher und Hefte sind in die äußerste Ecke verstaut, und kein Stundenplan kann die Jungen und Mädel in das geordnete Gleichmaß kindlicher Pflichten zurückrufen. Von Tag zu Tag wächst die Vorfreude auf die langersehnte Stunde, da am Sonntag um 14 Uhr das Marktgetriebe wie durch Zauberhand in Bewegung gesetzt wird. Mit der Jugend freut sich auch die ältere Generation in Süderbrarup und im weiten Umkreis auf die köstlichen, unbeschwerten Tage, die uns der uralte aber dennoch ewig junge Brarupmarkt jährlich beschert.

 

26.7.1952:
Brarupmarkt – uraltes Angler Volksfest 
Morgen ist es endlich soweit! -Die letzten Vorbereitungen werden getroffen – Tolle Neuheiten

Noch ein Tag trennt uns vom Brarupmarkt, dem heißersehnten. Jung und alte ist voller Erwartung auf das uralte Angler Volksfest. Besonders die Kinder können ihre Ungeduld kaum noch bezähmen, bis endlich der Jubel und Trubel beginnt. Noch wird emsig gearbeitet. Hammerschläge dröhnen über den Platz, Tische und Stühle werden frisch lackiert, irgendwo hängt noch Wäsche auf der Leine, Karussells werden aufgebaut und dazwischen spielen Kinder und Hunde. Aber auch viele Erwachsene begeben sich – angezogen wie von einem Magneten – schon am Vorabend auf den Platz der kommenden Ereignisse, um sich an der Idylle des Marktlebens zu erfreuen. Wieder beitet sich das alte, ewig neue, buntbewegte Bild, das die Menschen mit einem Schlage in eine festliche Stimmung versetzt.

bmvii_01 Die Brarup-Tage bilde den sommerlichen Höhepunkt des Jahres. Gestehen wir uns es doch ein: Wir  alle feiern gern ab und zu einmal. In der langen Pause zwischen Pfingsten und Weihnachten kommt uns daher der Brarupmarkt sehr gelegen, um endlich auf kurze Zeit einmal die Alltagssorgen beiseite zu schieben, die so gar nicht in den Markttrubel hineinpassen. Selbst notorische Stubenhocker lassen es sich nicht nehmen, doch mal einen Gang über den Platz zu tun, in das Portemonnaie zu greifen und sich eine Bockwurst mit Salat zu spendieren. Oder man geht in ein Trinkzelt und löscht den Durst, und abends , wenn es kühler wird, führt man sich ein Gläschen Angler Muck zu Gemüte. Es stehen natürlich auch noch andere Genüsse zur Verfügung, nicht zu vergessen Kaffee und Kuchen, Süßigkeiten aller Art, Eis und die köstlichen Mischgetränke im Milchzelt unserer Meierei. Ob es außer der Zuckerwatte auch wieder den türkischen Honig, die beliebte Nascherei früherer jahre, geben wird? Wie dem auch sei, zu essen, zu trinken und zu naschen gibt’s auf jeden Fall genug.

Zwischen all diesen Genüssen stürzt man sich mitten hinein in das bunte Marktgetriebe und ergötzt sich mit kindlichem Vergnügen auf der Avus-Bahn, dem Riesenrad, der Berg- und Talbahn, in den Schaubuden usw. Unter den Fahrgeschäften befinden sich diesmal zwei, die für den Brarupmarkt Neuheiten darstellen: Der „Oktopus“, genannt Spinne und die Ueberschlagschaukel „Looping the hoop“. Den Oktopus hat die Firma Schippers & v.d. Ville als einziges Exemplar seiner Art im Jahre 1938 aus Argentinien mitgebracht. An seinen acht Armen ist je eine Gondel befestigt. Während sich die Arme nicht nur im Kreis, sondern auch auf- und abwärts bewegen, drehen sich die Gondeln noch um sich selbst. Die Ueberschlagschaukel hängt an vier Armen, die mit Gegengewichten versehen sind, so daß sich die einzelnen Kabinen bei unveränderter senkrechter Haltung überschlagen können.

Hoffentlich schenkt Petrus dem Brarupmarkt seine Gunst. Die Miesmacher meinen ja: „Der Brarupmarkt verregnet doch immer“. Wir aber wollen uns den Spaß nicht verderben lassen. Wenn’s wirklich mal regnen sollte, dann geht man eben in ein Schankzelt und behält trotzdem seine gute Laune.

 

28.7.1952
Landmaschinenschau ganz groß

Erstmalig Mähdrescher auf dem Barupmarkt – Für jeden etwas

Auf der diesjährigen Landmaschinenausstellung des Brarupmarktes sind zahlreiche Neuheiten zu sehen, die bei den Angler Bauern großes Interesse finden werden. Das gilt wohl insbesondere für  die Mähdrescher, die Hanomag-Sonderschau und die Lanz-Alldogg-Maschinen mit den verschiedensten Anbaugeräten.

bmvii_07 Die Süderbraruper Firma Lutzhöft zeigt u.a. außer den Hanomag-Schleppern mit Frontlader-Anbaugeräten einen Mähdrescher der Firma Gebrüder Claas (Hasewinkel), eine Strohsäge und angetriebener Miststreuer, ein neuartiges Heuwerbungsgeräte „Heuma“. Weidemelkwagen und ein transportabler Melkstand stellen weitere Spitzenleistungen dar.

Den Mähdrescher mit angebauter Strohpresse der Firma Gebr. Claas, die über 20jährige Erfahrung au f dem Gebiet des Landmaschinenbaus verfügt, kann man auch auf dem Stand der Firma Nissen & Held (Sterup) sehen, die außerdem den Lanz-Alldogg ausstellt, der mit seinen verschiedenen Anbaugeräten (z.B. einer Pritsche, die auch als Kipper zu benutzen ist, einer Hackmaschine, einem Zuckerrübenvorratsroder und einem Mähbalken) zweifellos große Vorteile bietet, da sich das Arbeitsgerät vor dem Führersitz befindet und dadurch auch noch Arbeitskräfte eingespart werden. Auf demselben Stand ist u.a. ein Qualitätsgummiwagen mit neuartiger DRP-Federung zu sehen.

Die Firma Matthiesen (Fegetasch) stellt vor allem einen McCormick-Zweischarenpflug und Trecker mit Zapfwellenbinder und neuartiger rotierender Schnecke aus, während auf dem Stand der Firma Jürgensen (Mehlby) ein Getreidesilo für  Mähdrescher, ein Dechentreiter-Mähdrescher mit eingebautem Volkswagenmotor, eine Pick-Up-Presse und Deutz-Schlepper gezeigt werden.

Das ist nur eine kleine Auslese. Vom Elektrozaun bis zur Saemaschine und von der Mühle  bis zur Häckselmaschine ist alles vertreten, sodaß jeder Bauer sicher sein kann, auch das für seinen Betrieb passende Gerät zu finden.

 

28.7.1952:
Tempo, Trubel, gute Laune

Süderbrarup steht ganz im Zeichen des großen Jahrmarkts

Brarup- bmvii_05 Der ganze Ort hatte ein Festkleid angelegt, und den Tausenden von auswärtigen Besuchern wurde, noch ehe sie den Markt betraten, mit dem leuchtenden Wimpel- und Fahnenschmuck in den Straßen ein freundlicher Gruß geboten. Auf dem Platze angekommen, wußte man zunächst gar nicht, wohin man den Blick zuerst wenden sollte. Die Kinder drängten zu den Karussels mit den hübschen Pferden, Autos, Fahrrädern und Wagen, während die ältere Jugend sich sehr für die Neuheiten des diesjährigen Brarupmarktes wie „Spinne“ interessieren, wobei der Oktopus der Firma Schippers v. d. Ville eine besondere Anziehungskraft ausübte. Nicht zu vergessen die beliebte Avusbahn, die ständig umlagert ist, wie auch die Berg- und Talbahn mit ihrem rasenden Tempo, die Regattabahn mit ihren schwingenden Gondeln, die schnellen Wagen der Autobahn, die Kettenflieger, das Riesenrad, die Luftschaukel und nicht zuletzt die Motorroller für besonders Sportbegeisterte.

Wer eine sichere Hand hat, kann in den Schießbuden allerhand gewinnen, und wem die Glücksgöttin hold ist, dem bieten sich in den Verlosungshallen und Würfelbuden gute Chancen.

Erfreulich ist es, daß diesmal wieder einige Schausteller gekommen sind. Im vergangenen Jahr wurden sie sehr vermißt, gehören sie doch unbedingt zu einem richtigen Jahrmarktsbetrieb. Wer ein dickes Portemonnaie mitbringt, kann an den überaus zahlreichen Verkaufsständen Gebrauchsgegenstände aller Art und Spielwaren erwerben. Die Schankzelte, die mit ihrer buntbemalten Reklamefront zu einer Ruhepause mit einem kleinen Imbiß einladen, hatten schon am ersten Tag einen regen Zuspruch. Leider meinte es der Wettergott gestern nicht besonders gut mit den Marktbesuchern. Ein tüchtiger Regenguß schüttete zeitweilig sein Wasser in den Wein der allgemeinen Fröhlichkeit.

Am Abend bietet sich den Besuchern ein zauberhaftes Bild. Durch unzählige,  zum Teil farbige Glühbirnen ist der ganze Markt in eine feenhafte Beleuchtung getaucht, die ihn unwirklich und märchenhaft erscheinen läßt. Und spät, erst sehr spät, kehrt man in die reale Welt zurück.

 

29.7.1952:
Brarupmontag – Bauerntag

Pferdemarkt mit wenig Käufern – Landmaschinenschau stark besucht

bmvii_04 Der Brarupmontag gehört den Bauern und stellt sozusagen einen zusätzlichen Vatertag dar, den sie auf ihre ganz persönliche Art zu verbringen pflegen. Am Vormittag besuchen sie den Pferdemarkt und betrachten sich eingehend die Landmaschinenschau, wobei sie –  teilweise mit wehmütigem Herzen – feststellen müssen, daß sich in den letzten Jahren das Bild auf Kosten der Pferde zugunsten der Landmaschinen erheblich verschoben hat. Schleswig-Holstein besitzt edle Pferderassen, und der Bauer hängt an seinen Tieren, die für ihn treue Helfer und Freunde sind. Aber trotz der Liebe zu seinen vierbeinigen Arbeitskameraden hat der Angler Bauer als  kühler Rechner längst erkannt, daß diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist, und stellt sich allmählich teilweise auf eine Mechanisierung bezw. Motorisierung seines Betriebes um. Das zeigte auch gestern wiederum das große Interesse, das der Landmaschinenausstellung, die von Jahr zu Jahr reichhaltiger beschickt wird, entgegengebracht wurde.

Zum Pferdemarkt hatten sich zwar zahlreiche „Sehleute“ eingefunden, von denen sich aber nur wenige zu einem Kauf entschließen konnten, obwohl das aufgetriebene Pferdematerial erheblich besser war als in den letzten beiden Jahren. Bei den Kaltblütern lagen die Preise etwa um 700 bis 900 DM, während für  Reit- und Wagenpferde, darunter auch Trakehner, bis zu 1050 DM verlangt wurden.

Der Brarupmontag hatte wie im Vorjahr einen außerordentlich guten Besuch aufzuweisen. Das Wetter hatte immerhin einige „Haltung“ bewahrt, so daß der vormittägliche Pferdemarkt und die Landmaschinenschau von Regengüssen verschont blieben.

Nicht nur die Inhaber der Buden und Stände hatten einen schönen Erfolg, sondern auch die Schank- und Speisezelte, in den sich’s die Landleute wohl sein ließen, verzeichneten Rekordzahlen an Besuchern, und dieBauern konnten ihren Brarupmontag im Hinblick auf die bevorstehende schwere Erntearbeit in vollen Zügen genießen.

 

30.7.1952:
Brarupdienstag – Kindertag 

Und der Regen, der Regen rinnt – Trotzdem überall frohe Gesichter

bmvii_03 Daß die Tage des Brarupmarktes ganz ohne Regen vorübergehen, ist, soweit sich das rückwirkend feststellen läßt, nur ganz selten einmal dagewesen. Gar so arg aber hätte es Petrus in diesem Jahr nicht treiben sollen. Bis jetzt ist noch kein Tag vergangen, an dem es nicht mindestens einmal tüchtig geregnet hätte.

Das Wetter mag manchen von seinem beabsichtigten Besuch des Marktes zurückgehalten haben. Trotzdem kann sich die Gemeinde und können sich die Händler und Schausteller nicht beklagen. Der gute Ruf des Marktes und seine Beliebtheit in weiten Kreisen der Bevölkerung haben über die Launen der Witterung den Sieg davongetragen. Die gute Laune blieb trotz allem ungetrübt und wenn es einmal gar zu heftig wurde, dann stellte man sich unter die Sonnendächer und Zeltplanen der Verkaufsbuden, unter die großen Schirme der fliegenden Händler oder unter das schützende Dach eines der großen Fahrgeschäfte. Den größten Profit hatten bei alledem die Inhaber der Schank- und Tanzzelte, unter deren Baldachin zeitweilig eine beängstigende Fülle herrschte. Der Gang über den Platz war für die Trägerinnen des feineren Schuhwerks oft mit nassen Füßen verbunden und man mußte stellenweise tüchtig aufpassen, daß man nicht in eine der großen Wasserlachen geriet.

Im Zeichen des Regens stand auch der gestrige Dienstag, der in der Hauptsache den Kindern vorbehalten ist. Zwar waren die kleinen Geister an jedem Markttag in großen Scharen zu finden, aber diesmal waren sie sozusagen die Beherrscher des Platzes. Diesmal, da der Trubel der Großen etwas abgeflaut war, konnte Mutti mit ihrer Kinderschar schon einmal einen Ausflug mit gemeinsamer Karussellfahrt, dem Besuch einer Zuckerbude oder dem Einkauf netter bunter Kleinigkeiten riskieren.

 

31.7.1952:
Brarup-Kehraus 

Am Mittwoch herrschte Abschiedsstimmung auf dem Brarupmarkt, zumal  auch die kräftigen Regenschauer ihr Teil dazu beitrugen, ihm schon vorzeitig den Garaus zu machen. So wurde bereits in den Vormittagsstunden zum Teil mit „Demontagearbeiten“ begonnen. Am Nachmittag rückten schon eonige Unternehmen ab, um möglichst rechtzeitig zum Markt nach Wilster zu kommen. Am letzten Tag war der Betrieb naturgemäß nicht mehr mit dem der Vortage zu vergleichen. Aber im ganzen gesehen war der diesjährige Brarupmarkt doch wieder ein voller Erfolg. Das gelegentliche schlechte Wetter hatte zwar zum Teil die Fahrgeschäfte und den Betrieb vor den Verkaufsständen beeinträchtigt, aber dafür füllten sich zur gleichen zeit die Schankzelte entsprechend. „Was dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall.“

Nun, alles hat einmal ein Ende, auch der Brarupmarkt. Die abschließende Bilanz dürfte allseitige Zufriedenheit ausgelöst haben, denn sowohl die Aussteller und Marktbesucher als auch die Geschäftswelt und die Gemeindeväter von Süderbrarup dürften auf ihre Kosten gekommen sein.

 

1.8.1952:
Brarup-Nachlese

Wie die Bienen auf einem Zuckerkuchen, so hockten die Kinder am Donnerstagnachmittag auf dem Marktplatz zwischen den Zeltgerüsten, den restlichen Landmaschinen und den letzte im Abbau begriffenen Brarup-Unternehmen. Wie die Schatzsucher durchwühlten sie die vielen Papierschnitzel, die abgerissenen Eintrittskarten und die äußerst zahlreichen Nieten der Losverkäufer. Doch nicht diese Dinge waren wertvoll. Nein. sie suchten nach verlorenen Geldstücken, um sich auf diese Weise noch zusätzlich ein Eis oder ein paar Bonbons zu „organisieren“, Ebenfalls nicht zu verachten war die verschossene Munition der Schießbuden. Zwar war es etwas mühselig, sie zu sammeln, aber wenn man genügend Ausdauer  hatte, konnte man sie verkaufen und zwar für 1 kg 1,50 DM, so erzählten die Kinder.

 

Süderbrarup, Permalink

Ein Kommentar zu In der Lokalpresse vor 60 Jahren – Brarup-Markt 1952

  1. Michael Wundsam schreibt:

    Hallo ich bereite eine Ausstellung für Süderbrarup vor Jahrmarkt im Wandel der Zeit und suche dafür noch ein paar alte Fotos vom Brarup Markt es währe schön wenn Sie mir weiterhelfen könnten.
    mit freundlichem Gruß Michael Wundsam

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