Die Nottfelder Försterei

dbnottfeld_titel Aus Anlass des Bilderrätsels Nr. 149, das ja den Eingangsbereich der ehemaligen Nottfelder Försterei zeigt, hier ein Artikel aus dem Nottfelder Dorfbuch aus dem November 1942, das vom Süderbraruper Postmeister a.D. Petersen verfasst wurde. Dieser Artikel befasst sich mit der Nottfelder Försterei.

Anmerkung:
Ich habe den Artikel in der Original-Schreibweise übernommen, die zum Teil nicht mit der heute üblichen Rechtschreibung übereinstimmt.

Die Försterei

Als das Gut Lindau 1784 im Auftrage des dänischen Königs Christian VII parzelliert wurde, ließ man die geschlossenen Waldungen im Besitz der Krone. Hierzu gehörten auch die beiden in der Nottfelder Gemarkung belegenen Wälder Kuhholz mit 25 ha Fläche und Petersholz mit 24 ha. Die Verwaltung dieser beiden und verschiedenen benachbarter Forsten wurde dem Hegereuter Fröhlich übertragen, der in Nottfeld eine Kate besaß. Sie lag an dem später eingegangenen Weg, der bei Tüxen sen. Von der Heerstraße abzweigte und bei Schmidt in die Waldstraße mündete. Hegereuter Martin Fröhlich erwarb auch mehrere Landstücke bei der Parzellierung und gründete denn, wie es in den Conditiones heißt, eine Anbauernstelle. Scheinbar ist er hierauf aus dem Forstdienst gegangen; jedenfalls finden wir schon 1795 den Hegereuter Evers in Nottfeld.

dbnottfeld_christianslust Inzwischen hatte der König sich 1787, weil er auf Lindau nicht mehr wohnen konnte, das am Kuhholz hübsch belegene Jagdschloß Christianslust, das heutige alte Forsthaus, erbauen lassen. Es stand ausschließlich dem König zur Verfügung; der Hegereuter wohnte da nicht, sondern waltete nur als Hauswart auf Christianslust.

Wenn die dänischen Könige im Nottfelder Forst ihre Jagden hielten, dann ging es auf Christianslust hoch her. Erlauchte Jagdgäste gaben sich hier ein Stelldichein und in liebenswürdiger Weise sorgte der König für amüsante Unterhaltung. Noch vor wenigen Jahren wurde auf Christianslust das Podium gezeigt, wo einst die königliche Musikkapelle ihre Weisen ertönen ließen. Der Volksmund will wissen, daß König Friedrich VII. (1848 – 1863) besonders of auf Christianslust weilte und daß bei diesen Jagdfesten die Damen nicht fehlten. Friedrich VII. war mit einer Putzmacherin aus Struxdorf in Angeln sehr vertraut. Sie wurde ihm später als Gräfin Danner zur linken Hand angetraut. Der heute noch lebende, auch in Nottfeld bekannte Händler Rasmussen behauptet, der leibliche Enkel dieser Verbindung zu sein. nottfeld_04 Der König starb im November 1863 auf Schloß Glücksburg, nachdem er kurz zuvor den Ausgrabungen auf dem Thorsberger Moor beigewohnt hatte. Der Deutsch-Dänische Krieg brach aus und Schleswig-Holstein wurde von Dänemark getrennt. Alle Forsten gingen nun an Preussen über; das königliche Jagdhorn, das so oft im Nottfelder Forst gehört worden war, es war jetzt für immer verstummt.

Jetzt wurde Christianslust als Dienstwohnung für den Waldwärter eingerichtet. Bis dahin hatte der Hegereuter nach Fröhlichs Abgang in Süderbrarupholm auf der jetzigen Kate von Boysen, in der sogenannten Holmer Schweiz, gewohnt. Einige dieser Forstbeamten sind uns bekannt. Außer den bereits genannten , finden wir in alten Akten um 1820 den Hegereuter Möller, dann 1833 Niemann, dessen Sohn als Geheimrat in Kiel zu hohem Ansehen gelangte, (nach ihm wurde der Niemannsweg benannt) und um 1860 Kay Ludwig August Möller. Er war bei den Ausgrabungen im Thorsberger Moor beteiligt. Ein Verwandter von ihm ist der jetzige Bauer Carl Ludwig August Möller in Süderbrarup. In der preußischen Zeit sind hier Förster gewesen: Lüth, der 22 Jahre von 1877 – 1919 auf Christianslust wohnte, dann Semler, der 1920 aus Nordschleswig zu uns kam, ferner Wentzel, der bis 1929 hier wohnte. Dann wurde die Försterstelle aufgehoben; ihre Dienstobliegenheiten gingen auf den Revierförster in Satrup über.

nottfeld_05 Das Forsthaus Christianslust wurde an den Kriegsbeschädigten Brüggemann-Nissen verkauft. Dieser hat wesentliche Umbauten und Erweiterungsbauten durchgeführt und betreibt hier ein gut besuchtes Erholungsheim. Brüggemann-Nissen ist ein Verwandter des berühmten Künstlers Brüggemann, der das bekannte Altarblatt im Schleswiger Dom geschnitzt hat.

Gar bald stellte sich aber heraus, daß es ohne Förster in Christianslust nicht ging. Die Stelle wurde 1936 wieder eingerichtet und dem Förster Ziegler, einem gebürtigen Würthemberger, übertragen. Für ihn wurde 1938 eine neue Dienstwohnung eingerichtet, nahe am Kuhholz erbaut, ein mit Reet gedecktes geräumiges Haus im nordischen Stil.

Heute gehören zur Försterei Nottfeld außer dem Kuhholz und Petersholz noch Knobberdam, Gemeinde Lindau und Hegeholz Gemeinde Ketelsby, ferner das Gehege in der Gemeinde Kius. Der aus Buchen, Eichen und Eschen bestehende Bestand in Kuhholz ist etwa 140 Jahre alt, der im Petersholz 40 bis 80 Jahre. In den letzten Jahren hat man auch Weißtannen, Rottannen und Sitka Fichten angepflanzt, die alle sehr gut gedeihen. Überhaupt hat man in unserm feuchten Klima mit Nadelhölzern durchaus gute Erfahrung gemacht. dbnottfeld_kuhholz Im Kuhholz finden wir an der Ostseite eine sogenannte Mutterbuche, deren Alter von Fachleuten auf 240 – 300 Jahre geschätzt wird. Ihr  Stammesumfang beträgt 3,20 m. Wenn sie reden könnte, würde sie uns gewiß manches aus Nottfelds Vergangenheit erzählen, das uns heute verborgen bleibt. Eine ähnlich starke Buche finden wir hinter dem Hause des Bauern Marxen, dem alten Meierhof. Eine 200 – 250 Jahre alte prächtige Eiche steht auf dem Hofe Tüxen. Sie mißt 3,60 m. Zur Försterei gehören heute 10 ha Dienstland, das z.Z. an Bauern aus der Umgebung verpachtet ist. Es ist fruchtbarer Boden. Der Bodenaus beiden Waldungen Kuhholz und Petersholz gehört ausnahmslos zur 2. Klasse. Daraus erklärt sich der hohe Wuchs der Bäume. Die Bäume sollen zu den höchsten in Deutschland zählen.

Am Eingang zur Försterkoppel, die zwischen der Schmiede und dem neuen Forsthause liegt, befindet sich ein Heckstein, der auf der Westseite den eingemeißelten Buchstaben F trägt. Vermutlich ist der Stein z.Z. Friedrich VI., des Königs von Dänemark gesetzt worden. Unter seiner Regierung wird die Einkoppelung in Nottfeld vorgenommen worden sein.

Dies und Das, , Permalink

3 Kommentar zu Die Nottfelder Försterei

  1. Klaus Zander schreibt:

    Beim lesen dieses Artikels, stoße ich wieder auf eine Frage, die ich mir schon oft gestellt habe.
    Ich kenne ja Süderbrarup und auch die hier beschriebenen Wälder aus meiner Kinder- und Jugendzeit ( bis 1953 ). Seite Jahrzehnten besuche ich meine „alte Heimat“ jedes Jahr und da fällt mir immer wieder die unterschiedliche Schreibweise von dieser Örtlichkeit auf, wie sie damals war und wie sie heute ist. Früher = Christianslust und heute = Christianslyst.
    Was ist der Grund für diese Differenz, kann man mir das mitteilen. Oder verstößt das gegen irgendwelche mir unbekannte Vereinbarungen, Stichwort :“political correctness“ ??
    Wenn das zu heikel ist, dann vergessen sie diese dumme Frage.

    Ihr Süderbraruper Freund aus dem Rheinland
    Klaus Zander

    • admin schreibt:

      Ich weiß zwar nicht, ob ich damit richtig liege, aber ich denke die unterschiedliche Schreibweise hängt einfach damit zusammen, dass die Liegenschaft, die heute Christianslyst bezeichnet wird. einem dänischen Verein (Sydslesvigs danske Ungdomsforeninger) gehört und der den dänischen Namen für sein Schullandheim benutzt. Bei den deutschstämmigen Einwohnern hatte sich dagegen der Name Christianslust eingebürgert. Wie es historisch mit dem Namen aussah – also in der Zeit der dort zeitweise logierenden Dänenkönige – kann ich nicht sagen. Aber vielleicht weiß ja einer der Leser mehr darüber.

  2. Fjonka schreibt:

    Anläßlich dieses spannenden Artikels möchte ich kurz berichten, daß ich seit einiger Zeit auch täglich über RSS hier mitgucke. Wohne zwar in der Nähe, bin aber nicht einheimisch, so daß ich bisher kein Rätsel lösen konnte- aber ich lerne 😉
    Besonders die historischen Rätsel und die Bau-Sachen (Türen, Firste….) finde ich hochinteressant!
    Vielen Dank für dies Blog!

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