Alter Markt

am_01 Die meisten von uns werden die Straße „Alter Markt“ nur so kennen, wie sie auf dem nebenstehenden Bild zu sehen ist – nämlich im Vorbeifahren bzw. -gehen. Wenn man dort nicht gerade wohnt oder Bekannte dort hat, gibt es auch wenig Anlass, diese Sackgasse zu besuchen.

Aber der Alte Markt hat eine durchaus betrachtenswerte Geschichte. Stöbern wir dazu doch einfach mal in den Süderbraruper Chroniken.

Auf Beschluss der Gemeindevertretung wurde die Straße 1927 „Alter Markt“ getauft – und das nicht ohne Grund.

Das Gelände des alten Marktes erstreckte sich früher von der heutigen so benannten Straße über das gesamte Bahngelände einschließlich Bahnhof. Bis zum Bau der Eisenbahn Ende des 19. Jahrhunderts fand hier im Wechsel mit dem heutigen Marktplatz der Brarup Markt statt. Alle vier Jahre wechselte der Austragungsort. In den marktfreien Jahren wurden das jeweils freie Gelände gepflegt und zu Gunsten der gesamten Bauernschaft besät.

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Über die Zeit Mitte des 20.  Jahrhunderts weiß die Chronik zu berichten:

Geht man den Alten Markt hinunter, sieht man auf der linken Seite einige Gärten. Auf diesem Gelände wurde 1938 von der Eisenbahnverwaltung eine größere Baracke aufgestellt. Die Menschen, die hier in den darauffolgenden Jahren untergebracht wurden, waren Zwangsverschleppte und Kriegsgefangene, die an der Bahnstrecke von Sörup bis Eckernförde als Streckenarbeiter eingesetzt waren.Dieser Bautrupp wurde von einem Inspektor, einem Rottenmeister und zwei Rottenführern geführt.

Nach der Annektierung Österreichs wurden hier am 12. Juni 1938 80 zwangsverpflichtete Österreicher, wie Sozialdemokraten und politisch Unzuverlässige, untergebracht. 1938 wurden die Österreicher entlassen, nun war das Lager für 9 Monate geschlossen.

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In den folgenden Kriegsjahren waren hier Deportierte aus Tschechien und der Slowakei, französische und russische und später auch italienische Kriegsgefangene einquartiert. Nach Abzug der Kriegsgefangenen 1944 zogen polnische Zivilarbeiter in die Baracke ein, die kurz darauf von Familien aus Weißrussland abgelöst wurden.

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Die Lebensmittelknappheit in den letzten Kriegsjahren machte die Versorgung der Lagerbewohner zu einem ernsten Problem. Hierüber weiß die Chronik folgendes zu berichten:

Der 1938 als Österreicher zurückgebliebene Wilhelm Pusch wurde nun für die Kriegszeit Lagerführer und seine spätere Frau Gerda Köchin beim Bautrupp. Um eine Abwechslung in den Küchenzettel zu bekommen, legte sich die Familie Pusch einen größeren Garten in der Nähe an. Selbst an der Bahnstrecke nach Eckernförde, wo der Bautrupp täglich seine Arbeiten zu verrichten hatte, wurden Gärten angelegt.

am_07 Wilhelm Pusch, Vater des hier häufiger „auftauchenden“ Karl Pusch, werden viele ältere Süderbraruper noch als Bahnmitarbeiter und regelmäßigen Besucher auf dem Süderbraruper Sportplatz kennen. (Wenn ich mich nicht sehr täusche,  ist er auf einem der Fotos zur Süderbraruper Sportwoche 1976 am Spielfeldrand auf einer Bank sitzend zu sehen.)
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Nach dem zweiten Weltkrieg waren in der Unterkunft – ebenso, wie im ehemaligen RAD-Lager an der Schleswiger Straße – Flüchtlingsfamiliien untergebracht. 1961 schließlich wurde die Baracke abgerissen.

 

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