„Pferd und Motor“ – Renntage in Süderbrarup

Wie schon in den Kommentaren zum Artikel über den Brarup-Markt erwähnt, gab es in den 50er und 60er Jahren ein weiteres „Großereignis“ in Süderbrarup: den Renntag.

rt_chronik_1   rt_chronik_2 In der ersten Süderbraruper Chronik „Süderbrarup – Zentraler Ort in Vergangenheit und Gegenwart“ von 1981, die inzwischen wohl schon vergriffen ist, wird dieses Ereignis auf Seite 205 unter der Überschrift „Süderbraruper Rennclub e.V.“ noch erwähnt. In der Neuauflage der Chronik aus dem Jahre 2006 kann man dann allerdings nichts mehr darüber lesen. Daher halte ich es für vertretbar, die Auszüge aus den entsprechenden Seiten hier wiederzugeben.

Wie in dem Chronik-Artikel erwähnt, fand der Renntag zunächst als reine Pferdesport-Veranstaltung statt An diese Zeit kann ich mich nicht mehr erinnern – deshalb beschränke ich mich auf die Zeiten, die ich selbst noch in Erinnerung habe.

rt_luft Der Renntag unter dem Motto „Pferd und Motor“ fand immer an Himmelfahrt auf der sogenannten „Rennkoppel“ statt. Das war eine große Wiese, die sich in dem Gebiet zwischen Kappelner Straße im Norden, Holmer Straße im Westen, Mühlenstraße im Süden und Tannenbergweg / Osterkoppel im Osten erstreckte und der evangelischen Kirche gehörte. Vielen wird dieser Ort, der ursprünglich um einiges größer war, heute als Parkplatz hinter dem evangelischen Gemeindezentrum zum Brarup-Markt bekannt sein. Der Ausschnitt aus dem (über Süderbrarup neuerdings leider vernebelten) Google-Maps zeigt in etwa die ursprünglichen Ausmaße der „Rennkoppel“.

rtv02 Schon einige Tage vor dem eigentlichen Renntag wurde mit dem Aufbau einer großen Holztribüne an der Friedhofsseite der Koppel begonnen. Als Platz für die Rennleitung und den Veranstaltungssprecher (heute würde man Moderator sagen) wurden Anhänger der Spedition Karl Jürgensen aufgestellt. Für uns Kinder eine willkommene Gelegenheit, den Arbeitern beim Aufbau zuzusehen.

Am Renntag selbst strömten dann die Zuschauermassen aus Süderbrarup und näher und weiterer Umgebung zum Veranstaltungsplatz. Neben den Plätzen auf der Tribüne, wo man naturgemäß die beste Sicht auf das Geschehen hatte, verteilten sich die Zuschauer rund um das  Rennstrecken-Oval. Der Innenbereich war für Mitarbeiter der Rennleitung, Sanitäter, Fotografen und anderes Funktionspersonal reserviert. Besonderes Glück hatten die Anwohner der Osterkoppel: Sie konnten vom Wall am hinteren Ende ihres Grundstückes aus dem Schauspiel zusehen, ohne Eintritt zu bezahlen-

rtv01 rtv03 Zu sehen gab es in bunter Abfolge Trabrennen und Motorradrennen. In beiden Sportarten waren für Süderbraruper zwei Lokalmatadoren von besonderem Interesse. Bei den Trabrennen konnte man Ede Bocklage im Sulky bewundern, bei den Motorradrennen ging Wilhelm Albrecht mit seiner Seitenwagenmaschine an den Start. Soweit ich mich erinnere, landeten sie aber kaum mal auf den vorderen Plätzen – aber teilnehmen ist ja wichtiger als gewinnen.

rtv04 In einem Jahr wurde die an sich schon interessante Veranstaltung durch einen besonderen Höhepunkt noch weiter aufgewertet. In der Mitte des Platzen bauten Hochseilartisten zwei hohe Masten mit einem dazwischen gespannten Drahtseil auf. In den Pausen der Veranstaltung balancierten die Künstler dann in schwindelnder Höhe zwischen diesen beiden Masten oder fuhren mit einem Motorrad auf dem Hochseil. Wir Kinder zitterten beim Anblick der gefährlichen Tricks wahrscheinlich mehr als die Artisten selbst.

In einem der folgenden Jahre gab es eine weitere Neuerung – die Windhundrennen. Dazu war am inneren Rand der Rennbahn ein Seil rund um den Platz gezogen, an dem ein „künstlicher Hase“ maschinell im Kreis herum bewegt wurde.  Auf der Jagd nach dieser angeblichen Beute rasten die Tiere nun rund um den Platz. Das war als einmalige Attraktion zwar ganz nett anzusehen, unsere Begeisterung für diesen Wettbewerb hielt sich aber in Grenzen.

Zum Abschluss noch eine persönliche Anekdote, die auch auf die Ehemaligen-Seite der Klaus-Harms-Schule schulzeitreisen.de gepasst hätte:

rt_foto Mein Vater verkaufte am Renntag regelmäßig an einem der Eingänge Eintrittskarten. Dafür gab es vom Veranstalter als Entschädigung 2-3 Freikarten für die Familie. Ich hatte nun einigen Mitschülern aus meiner Klasse an der Klaus-Harms-Schule davon erzählt und erwähnt, dass ich eiin, zwei Klassenkameraden kostenlos mit auf den Festplatz nehmen könnte. Zu meinem Schreck hatten sich am Veranstaltungstag tatsächlich vier Schüler aus Gelting, Esgrusschauby und Oersberg mit dem Fahrrad auf den Weg nach Süderbrarup gemacht.

Um keinen der Kameraden zu enttäuschen, sagte ich, dass ich das schon regeln würde. Mein Vater allerdings guckte etwas verstört, als ich ihn nach zwei weiteren Karten fragte. Letzendlich bekam ich aber die fehlenden Karten von ihm, und wir alle verbrachten einen schönen Nachmittag auf der Rennkoppel. Zu Hause erwartete ich eigentlich einen Rüffel  - aber der blieb aus. Vermutlich hatte mein Vater die fehlenden zwei Karten aus eigener Tasche bezahlt, um mich nicht vor den Klassenkameraden zu blamieren.

 

Quellenangabe:
Die beiden eingescannten Textseiten und das Trabrennfoto stammen aus der Chronik „Süderbrarup -Zentraler Ort in Vergangenheit und Gegenwart“ von Leonhard Möller und Helmut Marxen herausgegeben von der Gemeinde Süderbrarup 1981. Die übrige Fotos sind „Schnappschüsse“ aus einem Film über die Renntage.

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2 Kommentar zu „Pferd und Motor“ – Renntage in Süderbrarup

  1. Silas schreibt:

    Wuff,
    Herrchen hat gerade Filme digitalisieren lassen von dem Motorradrennen 1966.
    LG Silas

  2. Hartmut Stäcker schreibt:

    Von meinen Eltern wurde ich nicht nur mit Geld sehr kurz gehalten, sondern auch mit allen anderen Liebenswürdigkeiten des Lebens. Eine davon war das Grasbahnrennen, von dem meine Kameraden in der zweiklassigen Dorfschule Boren euphorisch berichteten. Vom Trabrennen war aber nie die Rede.

    Dem eigentlichen Motorradspektakel vorweg ging das Ponyrennen, für neun- bis zehnjährige Jungen natürlich „Kinderkram“. Ihr Augenmerk galt ausschließlich den röhrenden Rennmaschinen. Und ob es denn Stürze gegeben hätte, wollte unsere Lehrerin wissen. Naja, die Stürze seien natürlich das Beste, das Aufregendste gewesen.

    An einem solchen Renntag kam ich mal mit dem Zug von Flensburg, machte mich zu Fuß auf den Heimweg und hörte schon von weitem das Geknatter. Die Veranstalter hatten den hohen Zaun in der Mühlenstraße mit Planen verhängt, weil Zaungäste unerwünscht waren. Gegenüber, vor dem Landmaschinenhandel Naeve, waren Leute auf die abgestellten Landmaschinen geklettert, so dass sie über den Zaun blicken konnten. Ich schaffte es, mit der Hand durch die Maschen zu greifen, die Plane ein wenig zur Seite zu drücken und sah nun auch etwas vom Renngeschehen. Ach, wie gern wäre ich doch dabei gewesen und hätte in der Schule berichten können!

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