Brarup-Markt – wie es früher einmal war

bm_schild So ganz scheint man sich bei der Gemeinde Süderbrarup noch nicht darüber einig zu sein, wann der diesjährige Brarup-Markt stattfindet. Aber die ersten Marktwagen auf dem Süderbraruper Marktplatz sind ein sicheres Indiz: auch in diesem Jahr findet der Jahrmarkt statt. Zeit also, einen Blick zurück auf die Geschehnisse um den Brarup-Markt in meiner Kindheit zu werfen.

Eine kleine Einstimmung auf den Brarup-Markt gab es in den 50er Jahren schon um die Pfingstzeit. Da nämlich fand in Brebel auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofs Krüger – dort, wo jetzt ein Pflegeheim ist – ein kleiner Jahrmarkt statt. Er bestand zwar nur aus einem Kettenkarussell, einer Schießbude sowie einem Würstchen- und einem Zuckerwarenstand, gab uns Kindern aber schon mal einen Vorgeschmack auf das, was uns im Sommer auf dem Süderbraruper Marktplatz erwartete. So pilgerten wir Kinder aus der Schleswiger Straße dann Sonntags den kurzen Weg nach Brebel, um unser Taschengeld für eine Karussellfahrt oder Süssigkeiten auszugeben.

Richtig los ging es dann zwei bis drei Wochen vor dem Brarup-Markt-Termin. Täglich lauschten wir auf Zugmaschinengeräusche von der Schleswiger Straße und liefen dann schnell zur Straße hoch, um zu sehen, welches Fahrgeschäft oder welche Bude von Schleswig kommend Richtung Marktplatz unterwegs war. Fachmännisch erkannten wir an den kleinsten Details, um welchen Marktbeschicker es sich handelte.

bm_ecke Als wir dann im Schüleralter waren, nutzten wir die Ferienzeit, um uns die zwei Wochen vor dem Marktbeginn auf dem Marktplatzgelände umzuschauen. Hier und da konnte man für die Schausteller eine Besorgung machen oder irgendwie beim Aufbau ihres Geschäftes helfen. Besonders glücklich schätzten wir uns, wenn unsere Hilfe mit einer Freikarte oder ähnlichem belohnt wurde. Aber schon die Nähe oder Bekanntschaft mit einigen der Marktleute war für uns den täglichen Weg zum Marktplatz wert.

Wenn der Freitag des Jahrmarktbeginns nahte, konnten wir es kaum erwarten, dass es 14 Uhr wurde und wir uns endlich in das bunte Treiben stürzen konnten. Obwohl wir in der Zeit vor dem Brarup-Markt schon eifrig gespart hatten, waren meistens nicht mehr als zwei Mark pro Jahrmarktstag in unserem Portemonnaie. Die galt es gut anzulegen. Daher verzichteten wir bei unseren nachmittäglichen Marktbesuchen auf Bratwurst und Getränke. An diese Leckereien konnte man auch bei einem abendlichen Marktbesuch mit den Eltern günstiger kommen. Auch bei Karussellfahrten – bei für heutige Verhältnisse geradezu lächerlichen Preisen von 30 bis 50 Pfennige – musste man sich genau überlegen, welches der Fahrgeschäfte man am jeweiligen Nachmittag besuchte.

Unsere Interesse konzentrierte sich auf Dinge, die aus heutiger Sicht ziemlich nutzlos sind. Begeistert kauften wir Lose an einer Losbude, um im Laufe des fünf Tage dann einen Plastik-Fußball oder einen Cowboyhut aus Stroh zu ergattern.

Brarupmarkt 1979 Stundenlang hielten wir uns auch an einem Stand auf, bei dem man 10 Pfennige auf eine der vier Kartenbilder Karo, Herz, Pik oder Kreuz setzen konnte. Wenn alle vier Leuchtfelder mit einem Groschen belegt waren, setzte der Budeninhaber einen Mechanismus in Gang, bei dem nacheinander die vier Kartenfelder erleuchtet wurden. Zum Schluss blieb ein einziges Feld erleuchtet, und derjenige, der auf dieses Feld gesetzt hatte, bekam einen Sammelgutschein. Wenn man im Laufe der Markttage genug Gutscheine gesammelt hatte, konnte man sich einen mehr oder weniger unnützen Gegenstand aus dem Sortiment der Bude dafür aussuchen.

Ein anderer Stand, der uns oft in seinen Bann zog, war eine runde Bude, bei der im Kreis mehrere Flipper-ähnliche Automaten aufgestellt waren. Auch hier konnte man für 10 Pfennige mitspielen, wobei der Standinhaber aber oft unsere Geduld auf die Probe stellte, weil er wartete, bis alle Automaten von Mitspielern besetzt waren. War es dann endlich so weit, konnte man seine Kugel abschießen und hoffen, dass sie möglichst viele elektrische Kontaktfelder berührte, bevor sie wieder in die Ausgangsposition zurückkehrte. Hatte man dabei die höchste Punktzahl erreicht, gab es als Preis eine Pralinenschachtel oder eine kleine Tafel Schokolade.

Überhaupt waren die Geschäfte auf dem Jahrmarkt vom technischen Aufwand her überhaupt nicht mit den heutigen vergleichbar. Ich erinnere mich noch an einige Fahrgeschäfte, die heute wohl kein Kind geschweige denn Jugendliche oder Erwachsene hinter dem Ofen hervorlocken könnten.

Brarupmarkt 1979 Die Schiffsschaukel zum Beispiel hatte nichts mit dem zu tun, was Jugendliche heute unter einer Schiffsschaukel verstehen würden:  Hier musste ein oder zwei Leute mit eigener Kraft das Schiff in eine Schaukelbewegung versetzen. Kam man gar nicht damit zurecht, half einem ein Mitarbeiter des Fahrgeschäfts mit einigen kräftigen Schubsern auf die Sprünge. In einem kleinen abgeteilten Bereich neben der Schiffschaukel saß oft ein kleiner Mann und hämmerte auf einem Schlagzeug herum, neben sich ein Schild, auf dem stand: „Kalli macht bumm bumm“. Daneben stand meistens die „Seemuschel“, eine Berg- und Talbahn, die sich in einer für heutige Verhältnisse geradezu „Schneckengeschwindigkeit“ drehte.

In der Gasse bei der Straße „Am Markt“ stand zu jener Zeit ein Riesenrad, das aus heutiger Sicht den Namen kaum verdiente. Damals als kleine Kinder kam es uns aber wirklich noch „riesig“ vor. Ein anderes Fahrgeschäft, das man heute nicht mehr vorfindet, waren die sogenannten „Rollenden Tonnen“ – tonnenförmige Gebilde, die sich – wenn genügend Interessierte eingestiegen waren – sich zu drehen begannen. Ziel war es, sich möglchst lange in den Tonnen zu halten. In eine ähnliche Richtung ging das „Teufelsrad“, bei dem man sich der Zentrifugalkraft zum Trotz möglichst lange auf einer sich immer schneller drehenden Scheibe halten musste.

Auch Schaugeschäfte gab es damals schon auf dem Markt. Die Boxerbude war fast alljährlich dabei, genauso wie die Steilwandfahrer. Wir Kinder hatten zwar großes Interesse an dem, was innerhalb der Schaubude passierte. Allerdings mussten wir uns aufgrund der für uns nicht bezahlbaren Eintrittspreise damit begnügen, den vollmundigen und reißerischen Ankündigungen der Budenbetreiber vor ihren Schaugeschäften zu lauschen.

Wenn dann am Montag trotz sparsamstem Umgang das Taschengeld langsam zur Neige ging, besuchte ich meinen Vater, der damals auf der Gemeindeverwaltung arbeitete. Dabei galt es, dem Leiter der Verwaltung Otto Jacobsen über den Weg zu laufen, denn der war der Herr über die Freikarten, die die Fahrgeschäfte der Gemeinde zur Verfügung stellten. Um einige der Freikarten von ihm zu ergattern, ließ ich es mir auch zähneknirschend gefallen, von ihm mit „Büble“ angeredet zu werden. Mit den Freikarten in der Tasche war dann zumindestens der Montag auf dem Markt gerettet.

troika Am Dienstagabend war noch einmal eine Runde über den Markt mit den Eltern angesagt. Dabei kamen dann ab 21 Uhr schon langsam wehmütige Gefühle auf, weil die Marktbeschicker anfingen, alles nicht unbedingt Nötige wie Beleuchtung usw. von ihren Geschäften abzubauen, um dann in der Nacht möglichst schnell die Fahrt zum nächsten Jahrmarkt anzutreten.

Am Mittwochmorgen gingen wir Kinder dann traditionell auf den nun schon arg verwüstet aussehenden Marktplatz, um auf den Plätzen der nun zum größten Teil abgebauten Stände nach verlorenen Geldstücken zu suchen. Obwohl einige damit prahlten, schon größere Geldbeträge gefunden zu haben, glaube ich nicht, dass irgendjemand mal mehr als einen vereinzelten Groschen auf diese Weise gefunden hat – aber die Hoffnung war immer da.

Nach und nach verschwanden dann auch die letzten Marktwagen vom Marktplatz und für uns Kinder begann das lange Warten auf den nächsten Brarup-Markt.

Wer übrigens mehr zum Brarup-Markt  2011 (vom 29.07. bis 02.08.) erfahren will, dem sei die Webseite brarupmarkt.de empfohlen. Und sicher wird auch der Amtskurier – so wie in den Vorjahren – in einer Brarup-Markt-Ausgabe erscheinen.

 

Hartmut Stäcker, der seine Kindheit und frühe Jugend in Boren verbracht hat, schreibt dazu:

Brarupmarkt war natürlich nicht nur für die Einheimischen DIE Attraktion. Die Besucher kamen aus dem ganzen Umland zu Schleswig-Holsteins größtem ländlichen Jahrmarkt. Auch mein Vater fuhr mit uns Kindern von Boren dort hin. Parken mussten wir weit entfernt, denn rings um den Marktplatz war keine einzige Lücke mehr zu finden. Die Kinder des Pastors nutzten dies auf ihre Weise, ließen Besucher auf dem Pastoratsgelände, gegenüber dem Markt, parken und kassierten dafür ein paar Groschen Jahrmarktsgeld.Mein Vater war sehr knauserig, und so gab er uns Kindern jedem nur 2 Mark. Die reichten gerade für zweimal Fahren plus zwei Schlickstangen oder einen Luftballon. Doch auch das Herumgucken und Hören der Ausrufer an den Fahrgeschäften machte uns Spaß. An Riesenrad und Achterbahn kann ich mich nicht erinnern. Fasziniert war ich jedes Mal von einem Fahrgeschäft, das aussah wie ein großer runder Käfig. Der drehte sich zuerst im Kreis und wurde dann hydraulisch hochkant gestellt, so dass die Menschen darin um ihre Längsachse gedreht wurden (siehe 3.Foto v.oben). Ich bin damit aber nie gefahren.

und fährt dann fort:

Übrigens gab es neben Brarupmarkt damals noch ein weiteres Großereignis im Jahr: Das Sandbahnrennen in der Mühlenstraße. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran.

admin:

Du hast Recht, Hartmut – aber nur fast: Bei diesem zweiten Süderbraruper „Großereignis“ handelte es sich nämlich offiziell um ein Grasbahnrennen. Und das war es dann auch (jedenfalls am Anfang der Veranstaltung). Im Laufe des Nachmittages wurde es dann aber mehr und mehr wirklich zu einem Sandbahnrennen.

Aber dieses Thema ist eigentlich einen eigenen Artikel wert. In Kürze also mehr dazu…

 

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Ein Kommentar zu Brarup-Markt – wie es früher einmal war

  1. Hartmut Stäcker schreibt:

    Brarupmarkt war natürlich nicht nur für die Einheimischen DIE Attraktion. Die Besucher kamen aus dem ganzen Umland zu Schleswig-Holsteins größtem ländlichen Jahrmarkt. Auch mein Vater fuhr mit uns Kindern von Boren dort hin. Parken mussten wir weit entfernt, denn rings um den Marktplatz war keine einzige Lücke mehr zu finden. Die Kinder des Pastors nutzten dies auf ihre Weise, ließen Besucher auf dem Pastoratsgelände, gegenüber dem Markt, parken und kassierten dafür ein paar Groschen Jahrmarktsgeld.
    Mein Vater war sehr knauserig, und so gab er uns Kindern jedem nur 2 Mark. Die reichten gerade für zweimal Fahren plus zwei Schlickstangen oder einen Luftballon. Doch auch das Herumgucken und Hören der Ausrufer an den Fahrgeschäften machte uns Spaß. An Riesenrad und Achterbahn kann ich mich nicht erinnern. Fasziniert war ich jedes Mal von einem Fahrgeschäft, das aussah wie ein großer runder Käfig. Der drehte sich zuerst im Kreis und wurde dann hydraulisch hochkant gestellt, so dass die Menschen darin um ihre Längsachse gedreht wurden (siehe 3.Foto v.oben). Ich bin damit aber nie gefahren.

    Übrigens gab es neben Brarupmarkt damals noch ein weiteres Großereignis im Jahr: Das Sandbahnrennen in der Mühlenstraße. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran.

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