Grundschuljahre

Heute mal wieder eine persönliche Erinnerung, und zwar an meine Jahre in der Grundschule in Süderbrarup. Leider habe ich meine Fotos aus dieser Zeit bisher nicht wiederfinden können, so dass der Beitrag etwas „Text-lastig“ wird. Sollte jemand noch Bilder zur Schule, den Lehrern oder zur Kindergilde haben, die er zur Verfügung stellen kann, würde ich mich natürlich sehr freuen.

Anmerkung: Inzwischen sind einige Bilder und Kommentare hinzugekommen – siehe Ende des Artikels:


Jetzt aber zum eigentlichen Thema, meinen Grundschuljahren.

hausbau_01 Zu Weihnachten 1955 war ich mit meinen Eltern aus dem Barackenlager in der Schleswiger Straße in unser neu erbautes Haus in der Westenstraße umgezogen und schon kurz danach stand für mich die nächste große Veränderung an. Nach bestandener Eignungsprüfung sollte ich nach den Osterferien 1956 eingeschult werden.

Also ging es am ersten Schultag zusammen mit meiner Mutter Richtung Grundschule am Marktplatz. Ich hatte einen neuen Ranzen bekommen, der am ersten Tag noch leer und damit leicht war. Außerdem trug ich stolz eine große rote Schultüte mit verschiedenen Naschereien stolz mit mir. Zunächst ging es zu einem kurzen Gottesdienst in die Kirche. Anschließend wurden wir „Osterküken“, wie die Neulinge damals von den älteren Schülern genannt wurden, auf dem Schulhof in zwei Klassen aufgeteilt. Ich kam in die Klasse 1a, die mir bekannten Spielkameraden aus dem Lager in die Klasse 1b. Doch dann der erste Schock für mich: Wir sollten klassenweise in unsere Klassenräume und zwar ohne unsere Eltern.

Unter Tränen ließ ich mich schließlich von meiner Mutter überreden, mit unserer Lehrerin Fräulein Sötje in die Klasse zu gehen. Aber alles war halb so schlimm. Nachdem uns unsere Plätze zugeteilt worden waren und wir unseren Stundenplan bekommen hatten (selbst aufschreiben, konnten wir ihn ja noch nicht), war der erste Unterrichtstag auch schon zu Ende. Es folgte der damals obligatorische Besuch bei Fräulein Stüwe im Heidbergweg, um das Einschulungsfoto mit stolz präsentierter Schultüte aufnehmen zu lassen und dann ging es auch schon wieder nach Hause, wo der Inhalt der Schultüte erst einmal inspiziert wurde.

westen_01 Der beginnende Ernst des Lebens wurde einem aber erst am nächsten Tag klar, als es wieder hieß: „Aufstehen und für die Schule fertigmachen“. Der Schulweg war für mich zunächst noch ein kleines Abenteuer, da ich vorher kaum einmal alleine „ins Dorf“, wie wir damals sagten, gegangen war, sondern mich ausschließlich in der Westenstraße oder im Lager aufgehalten hatte, das man damals noch über einen schmalen Weg aus der hinteren Westenstraße erreichen konnte. Doch schon bald wurde der tägliche Schulweg zur Selbstverständlichkeit.

Wenn es mit dem Unterrichtsbeginn passte, nahm mich mein Vater auch schon mal auf dem Fahrrad mit, wenn er morgens zur Arbeit zum Gemeindebüro fuhr. Da wir keinen Kindersitz hatten, saß ich dabei auf der Mittelstange seines Herrenfahrrads. Und so kam es wie es kommen musste: Eines Tages kam ich kurz vor dem Ziel bei der Steinmauer des Pastorats mit einem Fuß in die Speichen des Fahrrads, was in einem Sturz endete. Glücklicherweise war mir und meinem Vater – mal abgesehen von dem Schrecken – nichts passiert. Nur im Vorderrad des Fahrrads war eine „Acht“.

grundschule Auch der Schulunterricht selbst machte mir bald keine Probleme mehr. Das lag einerseits daran, dass ich relativ mühelos das Lesen und Schreiben lernte und andererseits in Fräulein Sötje eine sehr freundliche, verständnisvolle und um alle Schüler bemühte Lehrerin hatte. Anscheinend hatte ich bei der Klasseneinteilung Glück gehabt, denn meine Spielkameraden aus dem Lager, die in der Parallelklasse gelandet waren, äußerten sich weniger begeistert über ihre Lehrerin, die soweit ich mich erinnere Fräulein Melchertsen hieß.

In den ersten beiden Schuljahre lagen unsere Klassenräume in dem alten Schulgebäude, das auf der Kirchenseite des Schulhofes lag. Zu Beginn war unter den Schülern unserer Klasse durchaus eine gewisse Zweiteilung wahrzunehmen: Auf der einen Seite waren die Kinder, die sich schon aus dem Kindergarten kannten, auf der anderen Seite die Mehrheit der Schüler (darunter auch ich), die nie einen Kindergarten besucht hatten und bis dahin auch gar nicht wussten, dass es so etwas gab. Doch schon nach wenigen Wochen gab sich diese Zweiteilung.

volksschule_01 Schön fanden wir damals die große Pause. Man holte sich beim Schuldiener „Onkel Klein“ seine Kakao- oder Milchtüte für 10 Pfennige, die er zuvor kistenweise von der Süderbraruper Meierei geholt hatte. Danach hatte man noch reichlich Zeit, auf dem Schulhof zu spielen. Nur das Toilettengebäude auf dem hinteren Teil des Schulhofs, das manche von uns als „Zufluchtsort“ bei Regen zu nutzen versuchten, war tabu (außer natürlich für seine eigentliche Zweckbestimmung).- Ordnung musste schließlich sein.

Begehrt war zumindest bei Regenwetter der Tafeldienst. Man durfte drinnen bleiben, um die Tafel für die nächste Stunde mit einem feuchten Lappen sauber zu wischen. Danach musste man noch einmal kurz auf den Schulhof, um den Lappen an dem großen Baum auszuschlagen. Der Baumstamm hatte schon eine weiße Stelle von den Kreideresten, die vom Lappen hier landeten. Am Ende der Pausen durfte man nicht einfach ungeordnet wieder in das Schulgebäude laufen, sondern es wurde zunächst klassenweise auf den Schulhof jeweils zu zweit nebeneinander angetreten. Anschließend wurden die Klassen nacheinander von den Lehrern in ihre Klassenzimmer geführt

alte_schule Einmal im Jahr gab es die Kindergilde. Vormittags gab es Spiele auf dem Schulhof oder auf dem Marktplatz mit anschließender Bekanntgabe der Sieger und der Preisverteilung, wobei ich gestehen muss, dass ich dabei meistens unter „ferner liefen“ landete und nur die eher kleinen Preise einheimste. Nach dem Mittagessen zu Hause ging es wieder zur Schule, um sich für den Umzug durch das Dorf zu sammeln. Die Jungs hatten dabei einen mit Krepppapier bunt geschmückten Stock oder auch eine Fahne in der Hand zu halten, die Mädchen trugen eine geschmückten Bügel. Beim Umzug musste nun jeweils eine Junge unter dem von zwei Mädchen zur Linken und zur Rechten getragenen Bügel durch das Dorf marschieren – für uns Jungen damals ein mittlerer Greuel.

Besser hatten es die Königspaare der Unter- und Oberstufe. Sie wurden in einem Pony- bzw. Pferdewagen durch das Dorf kutschiert, in späteren Jahren sogar in einem offenen Auto. Durch das Dorf ging es mit Musikbegleitung zu den jeweiligen Festsälen im Angler Hof und Wendt’s Tivoli, wo Unter- und Oberstufe getrennt voneinander feierten. Während die uns begleitenden Eltern gemütlich ihren Kaffe tranken, kam für uns Jungs nun der Horror schlechthin. Wir durften – oder vielmehr mussten – tanzen. Die meisten von uns versuchten, sich davor zu drücken, indem sie sich auf dem Hof des Lokals herumtrieben. Aber ab und zu erschien ein Lehrer, der sich die Drückeberger griff, mit in den Saal nahm und mit einem der Mädchen auf die Tanzfläche schickte.

tivoli Nachdem ich die ersten zwei Jahre Grundschule heil überstanden hatte, ging es in die dritte Klasse, was mit einem Umzug in das Hauptgebäude und einem Wechsel des Klassenlehrers verbunden war. Mein Klassenlehrer war nun Albert Dähn und bei ihm herrschte gleich ein strengeres Regiment als bei Fräulein Sötje. Herr Dähn schreckte auch vor dem Gebrauch des Rohrstocks nicht zurück, wenn ein Schüler all zu sehr gegen die von ihm aufgestellten Regeln verstieß – und er sah trotz seines Glasauges fast alles. Sein „Lieblingsschüler“ in Bezug auf den Rohrstock war mein Klassenkamerad Mecki, der ihm einige Male auf den Hof folgen musste, um seine Bestrafung in Empfang zu nehmen.

Mein Banknachbar ab der dritten Klasse war Hannes aus Nottfeld, ein Bauernsohn, der täglich mit dem Fahrrad aus Nottfeld herbeiradelte. So war es nicht verwunderlich, dass er gelegentlich zu spät erschien, was unser Klassenlehrer gar nicht gut fand. Hannes sprach zu Hause nur plattdeutsch und hatte so seine Probleme mit den Diktaten, was zur Folge hatte, dass er mehrfach Übungsdiktate schreiben musste, die ich dann korrigieren durfte. Aber trotzdem ist er später wohl ein guter Landwirt geworden. Von Hannes lernte ich übrigens später den Spruch kennen „Hüüt is so küssige Luft“, mit dem er sich bei den Mädchen für seine Annäherungsversuche zu rechtfertigen versuchte.

zeugnis_1 Wir etwas besseren Schüler hatten außer der geringen Rohstockgefahr noch einige weitere Vorteile bei Herrn Dähn. So durften wir bei einigen „Mehrfach-Sitzenbleibern“ in unserer Klasse die Hausaufgaben korrigieren. Vor dem Musikunterricht durften mein Klassenkamerad Reinhard und ich oft zu Herrn Dähns Haus in der Quellenstraße gehen, um seinen Geigenkasten samt Geige für die folgende Stunde zu holen. Der Musikunterricht war aber eher nicht mein Lieblingsfach. Zweimal im Jahr mussten wir zur Zensur-Bestimmung vorsingen, bevorzugt „Lütt Matten de Haas“. Jedesmal bescheinigte Herr Dähn mir, dass ich brummen würde. So ist es nicht verwunderlich, dass die „vier“ in Musik in jedem Grundschuljahr meine schlechteste Zeugnisnote war.

Zum Sportunterricht ging es im Sommer auf den Marktplatz und im Winter in die alte Turnhalle beim Kindergarten. Hier zeigte uns Herr Dähn als Vorturner, was man alles an den Ringen oder am Barren anstellen kann, wenn man ein Talent fürs Turnen hat, was vielen von uns aber abging. Ein besonderer Schrecken für mich waren damals die Kletterstangen in der einen Ecke der Turnhalle. Ich schaffte es regelmäßig nur, bis etwa zur Hälfte hinaufzuklettern, um dann langsam aber sicher wieder abwärts zu rutschen.

Von den Lehrern der damaligen Zeit sind mir noch einige Namen geläufig, wobei ich mit den meisten aber wenig zu tun hatte.

lehrer_1 Da war zunächst einmal Rektor Bilet, dem ich von Herrn Dähn zwei bis drei Mal vorgeführt wurde, weil ich angeblich das „R“ nicht richtig aussprechen konnte – das heisst so schön rollen konnte wie er. Herr Bilet fand jedoch meine Aussprache normal.

Alex Hinz war der Stellvertreter von Herrn Bilet. Ihn habe ich aus meiner Schulzeit nur als einen sehr gemütlichen Zeitgenossen in Erinnerung. Die Herren Simla und Neufeld hatten wir nur gelegentlich als Vertretungslehrer, wobei mir von letzterem in Erinnerung geblieben ist, dass er ungewöhnlich große Hände hatte und gerne von seinen Kriegserlebnissen erzählte.

Bei den Lehrerinnen erinnere ich mich neben den schon weiter oben genannten Damen an Fräulein Heidbrede, Fräulein Nommensen und Frau Mittelstädt, bei der wir in einem Jahr Zeichenunterricht hatten. Da ich aber nicht gerade der geborene Künstler war, hielt sich unsere beidseitige Begeisterung füreinander in Grenzen.

zeugnis_2 Am Ende des vierten Schuljahres standen die Aufnahmeprüfungen für die Mittelschule und das Gymnasium an. Nachdem Herr Dähn und auch Fräulein Sötje meinen Eltern gut zugeredet hatten, dass das Gymnasium für mich die richtige Wahl wären, stimmten meine zunächst skeptischen Eltern dem Wechsel zu. Die Aufnahmeprüfung für die Klaus-Harms-Schule in Kappeln hatten neben mir noch fünf weitere Klassenkameraden bestanden. So hieß es dann vor den Osterferien Abschied nehmen von den meisten Klassenkameraden – aber man sah sich ja ohnehin noch oft in der Freizeit nach der Schule.

Nach den Osterferien begann dann das Abenteuer Klaus-Harms-Schule mit den täglichen Fahrten mit der Kreisbahn nach Kappeln. Über meinen ersten Schultag am Kappelner Gymnasium und den Alltag eines Fahrschülers habe ich auf der Internetseite schulzeitreisen.de meines ehemaligen Klassenkameraden Achim Gutzeit berichtet. Wer Interesse hat, kann diese beiden Beiträge hier und hier nachlesen.


Karl Pusch hat mir noch einige Fotos aus seiner Schulzeit zur Verfügung gestellt und nebenbei tröstete er mich bezüglich meiner Musiknote:

Sie waren nicht der einzige Brummer in Süder. Ich durfte ein Gedicht aufsagen und bekam dann eine vier in Musik. Konnte ich mit leben.

Auch mich hat die vier in Musik nicht weiter gestört, obwohl sie mir fast während meiner gesamten Schulzeit treu geblieben ist.

kindergilde_0   kindergilde-2

kindergilde   abschluss_1964

 


kindergilde1956 Horst Hennings hat auch noch ein Bild vom Kindergilden-Umzug 1956 beigesteuert:

Hier habe ich noch ein Bild der Kindergilde 1956 gefunden .
Der Lehrer ist Max Querling.
Das Bild ist von unserem Haus aus aufgenommen.
Die Kinder könnte ich zum Teil auch noch nennen, ich bin auch dabei,Helmut Lax,Dieter Hansen u.s.w.

Das Foto ist also in der Schleswiger Straße aufgenommen … und den Lehrer Querling hatte ich in meiner Aufzählung der Lehrer doch glatt vergessen.

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Ein Kommentar zu Grundschuljahre

  1. Herbert Teindl schreibt:

    Moin, Moin, so findet man sich nach 50 Jahren im Internet wieder. Bild Nr. 11 und 13, erstaunlich. Grüße aus Eggebek.

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