Der Jahrmarkt zu Brarup – ein Reisebericht aus dem 19. Jahrhundert

Heute mal ein etwas „textlastiger“ Beitrag:

Beim Stöbern auf der Google books Seite bin ich auf ein Buch gestoßen, das den Titel „Ein Sommer in Schleswig“ trägt. Es ist 1855 erschienen und enthält Reiseberichte über das nördliche Schleswig Holstein.

Dieses Buch enthält auch ein Kapitel über den Brarup-Markt zu dieser Zeit, das ich hier vorstellen möchte:

mber_01   mber_02

 


 

mber_03 Das Dorf Süderbrarup liegt ungefähr in der Mitte der Landschaft Angeln. Die nächste Umgebung is etwas sandig, die Straßen sind breit und tief und der Ginster, welcher am Rande der Gräben wächst, deutet das vormalige Haideland an. Die Aussichten erweitern sich: Wald und Dorf, offne Felder und Hügel und zwischen diesen Moorland, durch welches ein Bach sich schlängelt. – Wer glaubt jetzt, daß dieser Bach einst die Langschiffe zu der Burg bei Löit hinaufführte !

Doch heute giebt es ganz andere Dinge zu betrachten, als die Fernsichten. Hier ist Leben und Verkehr, und je näher man Brarup kommt, je mehr entfalten sich diese. Der Staub steht wie eine Wolke über dem Wege, auf welchem es von großen offenen Stuhlwagen mit geputzten Bauernmädchen wimmelt, die die Regenschirme als Sonnenschirme gebrauchen; thurmhohe Lastwagen und leichte Federwagen kreuzen sich; hier ein Trift Ochsen, dort eine Koppel Pferde, deren Lenker, der Hitze ungeachtet, mit ledernen Hosen und Kanonenstiefeln angethan, von seinem von Messing glitzernden Sattel herab in einem fort seinen knallenden Scepter schwingt; Reiter und Fußgänger, Jung und Alt, Groß und Klein durchkreuzen einander, und die Verkäuferin mit ihrem Korb und der Kaffeekanne arbeitet sich durch die Menge hindurch, leichte Rippenstöße mit jenen ihren Attributen austheilend; der Brothöker zieht mit seinem vor den Wagen gespannten Hund um die Wette; lustige Burschen, welche unterwegs die Schenken besucht haben, jubeln und schreien und verwechseln zuweilen den Fußsteig und den Graben – alle Welt eilt nach Brarup; denn zu Jacobi ist Jahrmarkt in Brarup, und der Angler kennt kein größeres Fest als eben dieses.

mber_04 Die Götter mögen wissen, welche Wunder St. Jacob in Brarup gethan, daß dieses Dorf so berühmt geworden und bis jetzt auch geblieben; sein Gesundbrunnen ist längst versiegt und „des Lebens Wasser“ fließt hier wie anderswo nur noch aus Bullen und Flaschen. Aber gleichviel – Brarup ist nun einmal in der Mode und Jeder, wer nur irgend kann, muß es am St. Jacobstage heimsuchen. Schon der Name hat, glaub’ ich, für den Angler einen eigenen Zauber. Brarup ist ihm der Inbegriff aller Herrlichkeit, und wenn er irgend eine gesellschaftliche Zusammenkunft als recht außerordentlich und amüsant bezeichnen will, so sagt er nur: „dort ist Brarup gewesen,“ – Jedermann weiß dann, daß es etwas ganz Außergewöhnliches gewesen ist.

Es geht in Brarup lustig her. Jedes Haus ist eine Schenke und jede Schenke ein Tanzboden. Man tanzt im Dörnst und in der Pesel, im Gemüsegarten und im Obstgarten und das Tanzen dauert drei Tage und Nächte hintereinander. Auf dem Gemeindeanger erhebt sich eine Zeltbude neben der anderen, die Wimpel flattern über den weißen Dächern und die Flaggen – nun dieses Jahr erblickt man so viele Flaggen nicht: die schwarz-roth-goldne ist nicht gerade gut bei der Polizei angeschrieben und der Danebrog nicht bei der Bevölkerung. Das Restaurationszelt ist das einzige, von welchem eine Flagge weht und zwar eine ganz neutrale, unter dieser flatternden Fahne können sich beide Parteien niederlassen, denn von diesem Zelte weht eine große weiße Flagge mit der Inschrift: „Willkommen.“

mber_05 Durch die Straßen dieses Dorfs von Zeltbuden wogt und wallt eine bunte Menschenmasse hin und her. Eine ganze Straße besteht aus lauter Restaurationen, aus welchen ein verworrenes Brausen, Rufen, Singen, Harfenspiel und Tellergeklirr ertönt. Dort ist das „Unter den Linden“ des Dorfes, in deren Läden die verschiedenartigsten Gegenstände ausgestellt sind. Durch lautes Rufen bestrebt der Verkäufer sich Kunden heranzuziehen, und wenn der Mund für diesen Zweck nicht ausreicht, genirt er sich durchaus nicht, die Hand zu gebrauchen und den zweifelhaften Kauflustigen zurückzuhalten. Das ist eine heiße Arbeit; er hat deshalb auch den Rock ausgezogen und präsentirt sich in Hemdsärmeln. In den Galanterieläden stehen artige Mamsells, die bei weithem nicht ihre Blicke so theuer halten, als ihre Spielwaaren. Die Schuhmacher haben eine Gasse für sich eingenommen, hinter ihnen stehen die Töpfer, die, den beschränkten Raum eines Zeltes verschmähend, ihre Waare auf dem freien Felde ausbreiten, sodaß es aussieht, als wüchsen Töpfe und irdene Gefäße aller Art aus der Erde hervor.

Durch ein Lager der verschiedenartigsten Haus- und Ackerwirthschaftsgeräthe gelangt man auf den Viehmarkt. Hier ist ein Gebrülle und Geblöke, die armen Vierfüßler sind schwerlich ihres Vergnügens halber nach Brarup gekommen. Eine Hürde erscheint als ein ungeheurer Wollknäuel, aus welchem ein Viehhändler hervortaucht und seine Beute ergreift; in einem Nu schneidet er einem armen Schaf das Ohr ab und versetzt einem anderen einen Stern zwischen beide Augen, und von dem ängstlichen Geblöke der ganzen Trift begleitet, verläßt er den Schauplatz. Im schlammigen Graben liegen die Schweine und schnappen nach Luft, und eine Kuf, die des ewigen Betastens nach Talg und Nierenfett überdrüssig ward, hat sich losgerissen und galoppirt mit hoch emporgestrecktem Schwanze umher, und zwar zum Schrecken aller Inhaber und Inhaberinnen von Brotkörben und Schnapsbouteillen, die aufgesprungen sind und unter lautem Schreien ihre portativen Läden in Sicherheit zu bringen suchen. mber_06 Die Roßkämme reiten um die Wette und zanken sich; und ein armes Thier, dessen Rippen vor aller Welt Augen offen daliegen, giebt die Rolle des Renners, sodaß der Boden unter seinen Hufschlägen dröhnt. Allein dieses Alles ist Nichts gegen das Leben, welches sich im Mittelpunkte des Platzes entfaltet; dort ist ein Gedränge und Gewoge, daß man kaum vorwärts kommen kann. Eine Kunstreitertruppe hat, durch Hilfe eines drei Ellen hohen Pfahlwerks, bekleidet mit Segeltuch, einen Circus abgesteckt: innerhalb desselben schmettert die Trompete um die Wette mit der Peitsche, und der Ausrufer, seinen Kopf durch das Betttuch steckend, welches den Eingang deckt, brüllt in einem fort mit seiner heisern Stimme: „Treten Sie H’rein, treten Sie h’rein.“ Ueber dem Segeltuche erblickt man die Köpfe des Galerie-Publicums, umwölkt von Tabaksdampfe, und dann und wann taucht ein schwarzer Lockenkopf und ein voller Busen in Cattun hervor – wenn Mademoiselle Adelaide die Menge durch ihre graziösen Pas entzückt. – Welcher Beifallssturm! Wird sie hervorgerufen? – Weg da, Junge, laß mich durch das Loch gucken! – Ah, die Mademoiselle liegt auf dem Boden, und Bajazzo thut sein Möglichstes um die Aufmerksamkeit von diesem Unfall abzulenken. „Treten Sie h’rein! Treten Sie h’rein!“ – fährt der Ausrufer fort; das Publicum strömt hinzu und die Primadonna mit glühenden Wangen und tief aufathmender Brust vermag es kaum, sich einen Weg durch die Menge in das Nebenzelt zu bahnen, woselbst eine verrätherische Spalte die Geheimnisse der Garderobe enthüllt.

mber_07 Das Carroussell wirbelt den ganzen Tag im Kreise herum. Böte, Ballons, Löwen – Alles ist besetzt. Junge Mädchen produciren sich als Reiterinnen und stechen nach dem Ringe; die Alten in den Böten haben eine so lebhafte Empfindung des Wellenganges der See, daß sie dabei erblassen und Gesichter schneiden, aber was schadet ein wenig Seekrankheit – es ist doch nur Brarup einmal jährlich. Unterdessen bearbeiten zwei Musikanten eine Clarinette, eine Trommel und einen Triangel. Sie thronen auf einem Brett zwischen den Balken und kreisen mit dem Carroussell umher; in solcher Weise ist es seit der frühesten Morgenstunde gegangen und es ist gar kein Wunder, daß sie aus dem Tacte sind, es drängt sich nur die Frage auf, ob sie überhaupt jemals d’rin gewesen. Der eine ist ein ergrauter Mann und guter Vater, der seinen Kindern ein wenig Jahrmarktfreude gönnt und sie neben sich aufgestellt hat. Das kleine Mädchen trägt ein Bierglas mit Branntwein gefüllt, und der Knabe ist zuweilen dem Vater behilflich, wenn dieser gar zu lustig wird und auf einem Bein stehend, Trommel und Triangle zur gleichen Zeit schlagen möchte.

Die Zeltbude nebenan ist überfüllt mit Menschen, aber Alles verschwimmt in Wolken von Tabakrauch. Ein verworrenes Gebrause von Stimmen und von einem Orchester, in welchem namentlich die große Trommel das Wort führt, schlägt dem Eintretenden entgegen; doch kaum hat er sich eine Strecke Bahn durch das wogende Menschengewimmel gebrochen, so wird er wieder zurückgeschleudert: inmitten dieses wogenden Meeres ist ein Mahlstrom, ein kleiner offener Platz, auf welchem getanzt wird. Paar auf Paar jagen unwiderstehlich dicht hinter einander her, bis der Tambour einen Schlag auf die große Trommel thut, als müßte das Zelt platzen, und der Mann mit dem Teller hervortritt. Vier Gänge für einenSechsling – es ist ein billiges Vergnügen, aber es erfordert dickbesohltes Fußzeug. „Treten Sie h’rein, treten Sie h’rein!“ ruft der Mann am Circus.

mber_08 „Treten Sie h’rein! Echt Hamburger Kuddelmuddel, Alles für ein’n Schilling!“ ruft der Mann gegenüber. Es ist uneigentlich gesprochen, wenn er die Leute hinein ladet, denn der Verkauf geschieht von einem offenen Tische aus und das Waarenlager ist ein Schiebkarren. „Alles für ein’n Schilling!“ fährt er fort; „ein Geldbüdel, in den ein ganzer Preuße hineinkann – ein’n Schilling! Ein Fingerhut, der ein Menschenleben hält! Busennadeln, die bis auf den letzten Splitter und hernach als Stecknadeln benutz werden können – ein’n Schilling! Alles für ein’n Schilling! Echt Hamburger Kuddelmuddel! Treten Sie h’rein!“

Ein Affenpaar sitzt oben auf einem Leierkasten und ergötzt das Publicum durch seine Künste und seinen vorzüglichen Appetit. Dicht nebenan trägt man die Geschichte von „des Pfarrers Tochter zu Taubenhain“ vor, – nach dem Bilde zu schließen eine schreckliche Geschichte, un der Vorzeiger ist so heiser, daß es ihm kaum gelingt, seinen verstimmten Leierkasten zu überschreien. – Gehen wir weiter.

mber_13

Hier sind Sachen von Werth zu gewinnen, versichert der Mann und schüttelt den Inhalt eines alten schmierigen ledernen Beutels. Die Jahrmärkter greifen hinein und ziehen eine Niete nach der andern heraus; aber das Mädchen, das für ihren Schilling ein paar Stecknadeln zu einem Schilling gewonnen, schaut ganz glückselig drein und wähnt fürwahr brillante Geschäfte gemacht zu haben. Auf dem Nachbartische rollen die Würfel und etwas weiter entfernt steht ein Mann, der die Güte hat, den Leuten zu sagen, welche Zahlen in der Lotterie herauskommen; es hängt jetzt nur davon ab, daß man die richtige Ziehung wählt. Doch die hat er selbst gewiß nicht erspäht, sonst sähe er nicht so zerlumpt aus.

mber_09 „Was ist das Leben ohne Liebe,“ jammert eine Stimme in dem Restaurationszelte. Dort sitzt ein Mann in einem fadenscheinigen Rock und tappt mit den langen dürren Fingern die Clarinette hinauf und hinab. Seine Ehehälfte ist eine Dame in bester Fülle, die außer ihrem eigenen Stuhl zugleich den dritten Theil von denen ihrer beiden Nachbarn einnimmt. Eine Harfe ruht in ihren kurzen dicken Armen und die Töne des Gesanges strömen ungehindert vom „beengenden Saume der Zähne“ heraus. Es ist „die schöne Karoline.“  Ach wo blieb die Schönheit! Ein zweites Herculanum und Pompeji liegt ein lebhaftes Augenpaar am Fuße des glühenden Vesuv der Nase eingeäschert – das ist Alles, was noch zurückgeblieben ist. Indeß, das Zelt ist mit Zuhörern angefüllt und vor demselben stehen noch mehrere. Man kann sich kaum hindurchdrängen. Zwei Familien sind einander dort begegnet und schwatzen nun ein Langes und Breites, während sie Anderen den Weg versperren. Die Kinder hängen sich fest an die Röcke der Mütter und ein ganz kleines Männchen in einem grauen Röckchen mit großen Seitentaschen, ganz in seine neue Mütze vertieft, blickt entzückt auf einen Pfefferkuchen, in Gestalt eines Ungeheuers mit Augen und Rockknöpfen von durchschnittenen Mandeln. – „Ach herrje!“ ruft das Mädchen, das soeben an der Gruppe vorüberfegt und die Glückseligkeit des Knaben in Verzweiflung, das Pfefferkuchen-Ungeheuer in Stücke verwandelt. – „Still, mein Jung’, still! Laß nur die klebrigen Honigfinger aus dem Gesichte. Du sollst ein ganzes Päckchen Kuchen anstatt des Pfefferkuchenmannes haben.“ – Allein er brüllt und die Kinder des Nachbarn brüllen; es ist als hätten sämmtliche Kinder zu gleicher Zeit ihre Kuchen eingebüßt.

Die Sonne ist untergegangen. Die Flammen, die unter den ewig siedenden Theekesseln lodern, werfen einenzweifelhaften Schein auf die lärmenden Gruppen. Lichtflammen und farbige Laternen tauchen in dem Halbdunkel der Verkaufsbuden auf, und flimmern auf den Helmkämmen der Dragoner und den Bayonetten der Infanteristen, wenn die Patrouillen sich durch die noch immer gefüllten Gassen drängen. Die Leute fangen aber doch jetzt an, nach Hause zurückzukehren. Auf der Landstraße rollen schon die Wagen dahin, es ist dasselbe Gewühl und Gedränge wie vorher, nur die Stimmen sind lauter und das Singen wilder, und durch dieses verworrene Lärmen tönt die große Trommel vom Marktplatz herüber und die heisere Flöte des blinden Spielmanns, der sich an dem Grabenzaun vonJelängerjeliebergesträuch niedergelassen hatte.

mber_10 Doch man entrinnt so leichten Kaufs nicht den Jahrmarktsfreuden. In den Nachbardörfern ist gleichfalls Musik und Tanz. Die Pferde mit den Wagen überläßt man sich selbst vor der Schenke, während man sich auf dem Rückwege noch einmal im Tanze schwingt und noch einen Krug zu guter Letzt leert, und wenn man dann aus der Schenke wieder heraustritt, ist es nicht gerade leicht, den richtigen Wagen zu finden. Drüber in Norder-Brarup ist obendrein Theater. Unter dem griechischen Himmel ging es zwar an, daß Thespis mit dem Karren vagabundierte und die Bühne auf offener Straße und offenem Marktplatze aufschlug; allein in unserem Klima, und namentlich während eines Sommers wie dieser, in welchem der eine Regenguß den anderen ablös’t, muß man den Karren doch wenigstens unter Dacg bringen. Und das that der Director denn auch. Er hat ihn in den Fremdenstall der Schenke gezogen, und der Stall ist schnell in ein Theater umgewandelt. Sollte es regnen, wird das Wasser zwar in dem Rinnsteine quer durch den Stall abströmen; aber das schadet nichts, denn was den ersten Platz betrifft, so ist der Rinnstein dort mit Brettern bedeckt und auf dem zweiten Platze stellt man sich in Wasserstiefeln ein. Der Stall hat ferner den Vorzug, daß er keinen Zwischenboden hat, und daß der Tabakrauch durch die Luftlöcher an der Seite hinausziehen kann, und hierzu kommt noch, daß die Stalllaterne unter dem Sperrbalken hängt und einen Kronleuchter ersetzt.

mber_11 Es war ganz zufällig, daß ich in „die Komödie“ gerieth. Ich wollte vorüberfahren, aber mein Kutscher schien es wohlgethan, wenn wir die Pferde verschnaufen ließen. Diese bekamen ein Stück Brot und wir traten hinein, um einen Schnaps zu trinken. Doch kaum war ich über die Schwelle in die Hausflur getreten, als Amsel, der sonst mit Tüchern und Bändern hausirt und den ich kurz vorher auf dem Jahrmarkte gesehen hatte, mich mit dem Rufe am Arme ergriff: „Billet, Billet! Erster Platz acht Schilling, zweiter Platz vier; Kinder die Hälfte!“ Mein Kutscher schielte sehnsüchtig nach den schmierigen Papierfetzen; Amsel rief: „Treten Sie h’rein, treten Sie h’rein!“ und ich dachte, nun, es ist nur einmal im Jahre Brarup und ging in die Komödie. Das erste Stück war zu Ende, und man befand sich inmitten des zweiten; was es eigentlich vorstellte, will ich ungesagt lassen. Es war zum Ersticken voll, ich wurde von einer Seite zur anderen gedrängt, und es fehlte wenig daran, so wäre ich auf die Bühne gerathen. Durch einenNebel von Tabaksrauch und Dunst von Talglichtern erblickte ich auf derselben einige derb bemalte Herren und Damen mit entsetzlichen Gesten umhergehen; allein das Ganze blieb mir ebenso rätselvoll als das Bild, welches die Hexe von Endor  dem Saul zeigte. Ich beeilte mich herauszukommen.  Während ich vor dem Tempel auf und ab schlenderte und des Kutschers harrte, scholl ein Beifallssturm nach dem andern aus demselben heraus; die Pferde wurden unruhig und ein Paar nahmen mit dem Wagen Reißaus.

mber_12 Endlich war die Komödie zu Ende und die Leute strömten aus dem Stalle. Einige fuhren nach Hause, Andere begannen zu tanzen und aus den offenen Fenstern der Schenke erscholl ein fortwährender Jubel. Aber wo mag der Wagen stecken? Mein Kutscher suchte vergeblich, und der Himmel und meine Aussichten verfinsterten sich immer mehr und mehr. Wäre Johannes Lauesen nicht dort gewesen und Marie, die als gesetzte Frau zu ordentlicher Zeit nach Hause wollte, und ihr Mann, der einen kleinen Spitz hatte und nun an allen anderen Wagen vorüberjagte, – ich hätte vielleicht nach Hause spazieren müssen. So fuhr ich mit ihnen weiter und ließ es Sache des Kutschers sein, wie er Pferde und Wagen wieder auffinden würde. Am folgenden Tage stellte er sich bei mir ein und erzählte, daß er sie in einem Haferfelde gefunden; der Besitzer der Felder habe sie jedoch nicht dort gesehen und er sei somit ohne Schadenersatz davon gekommen. Trotz des Unfalls habe er sich jedoch ganz köstlich in Brarup amüsirt und verspüre nicht wenig Lust, „für noch vier Schilling Komödie“ zu haben.

mber_14

Wer Interesse an den anderen Kapiteln dieses Buches hat, kann sich das Ganze auf dieser Seite ansehen oder als Faksimile herunterladen. Die beiden Fotos vom Brarup-Markt stammen übrigens nicht aus diesem Buch.

Süderbrarup, , , Permalink

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.